D
380
Vierzehnter Abschnitt.
In Arabien fand Ibn-Batuta den Zucker allgemein verbreitet,und namentlich seine medizinischen Wirkungen in hohem Ansehenstehend, so dass keine Karawane Mekka verliess, ohne eine Kamels-ladung Zucker und Syrup für die unterwegs Erkrankenden mit-zunehmen („Reisen" I, 405); in späterer Zeit kam viel Zuckeraus Indien, doch wurde auch in Südarabien, besonders fn Jemen,solcher bereitet, wie dies noch Niebuhr („Beschreibung Arabiens",Kopenh. 1772) erwähnt; der verpönte Genuss indischen Araksmit Zucker und Zimmtextrakt hatte derartig überhand genommen,dass er selbst an der heiligen Stätte zu Mekka, keine Seltenheitmehr bildete (Klemm VII, 22).
Im Irak und in Kleinasien bot man zur Zeit Ibn-Batuta'sjedem Gaste, und selbst jedem Pilger, neben Brot und Fleischauch Zuckervverk, Syrupwasser mit Zitronensaft, und kleine Küchenan („Reisen" II, 23 und 32; II, 274, 285, 304, 307), und selbstarme Klosterherbergen thaten dies (ebd. II, 348). Im Irak warnamentlich Bagdad wegen seines Reichtums an Zucker, und derausgezeichneten Qualität seiner Konfitüren, Konserven und Syrupeberühmt, wie noch 1450 Barbaro's enthusiastische Schilderungbeweist („Viaggi in Persia", 46). In Damaskus sah Ulrich Kraftaus Ulm um 1580 „das Zuckerrohr übel angebaut und den Zuckerschlecht und gering", dagegen wurden „Massen von erstaunlichgrossen und süssen Mandeln unreif gebrochen, in den grünenSchalen gesotten und in Zucker eingemacht, und der Krug dieserHerrlichkeit um l 1 /, Dukaten verkauft" (Otto, a. a. O. I, 57ff.).Auch Rauwolf lobt 1573, die in Zucker und Honig eingemachtenFrüchte, sowie die Konfekte und Zuckerwaaren von Damaskusund Aleppo, die in der Welt nicht ihresgleichen hätten („Raiss"I, 109).
Die Türken, welche nach Ibn-Batuta im 14. Jahrhundertnoch alles Zuckerwerk verabscheuten, und seinen Genuss für eineSchande, ja selbst für eine Sünde erklärten („Reisen" II, 365 und387), fanden mit der Zeit grossen Geschmack an Zucker undSüssigkeiten aller Art, und trieben im 17. und 18. Jahrhundertden grössten Luxus damit. Das Küchenpersonal des Sultans, welches,der hergebrachten Ordnung gemäss, 1350 Mann zählte, enthielt„eine ganze Rotte Zuckerbäcker", von denen wieder eine Abteilungausschliesslich die so hoch geschätzten Rosenkonserven, in einemeigenen, jedem Fremden unzugänglichen Räume des Palastes, demsog. „Rosenzimmer", darzustellen hatte. Bei grossen Festen, z. B.bei der Vermählung der Prinzessinnen, wurden ungeheure Mengendes kostbarsten und kunstvollsten Zuckerwerkes bereitet, und in