Der Zucker im Orient seit Beginn des 14. Jahrhundertes. 375
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In Japan war 1770, als Thunberg dieses Land bereiste, dasZuckerrohr noch unbekannt: »Zucker fehlt in Japan und wird ausdem Auslande bezogen" („Reise nach Japan", Berl. 1792; II, 70.„Flora Japonica", 1784); der japanische Name des Zuckers „Satto",ist aus dem chinesischen Schatang verstümmelt, da der japanischenSprache die Laute Seh und ng fehlen (Ritter 315), und in derThat kam der meiste Zucker aus China, und, wie der Missionärde Rhodes (um 1635) bezeugt, aus Cochinchina, nach Japan(Ritter 345). Die Industrie Cochinchinas stand übrigens selbst aufsehr tiefer Stufe, und wurde, ebenso wie die Siams, erst gegen1800 durch die Chinesen vervollkommnet (Ritter 344; Ratzel III,482). Gegenwärtig wird in Japan viel Zuckerrohr angebaut, dieFabrikation ist aber meist noch eine sehr primitive, und beschränktsich darauf, die Füllmasse auf Matten oder flache Steine auszu-giessen, sie nach dem Erkalten in Stücke zu schneiden, und diesean der Sonne zu trocknen.
In Indien wurde zur Zeit Ibn-Batuta's (um 1350) sowohlin Bengalen, dessen Zuckerreichtum schon Marco Polo rühmt,als auch an der Westküste, sehr viel Zuckerrohr gebaut, „besondersin Canoga, von wo aus man den Zucker nach Delhi bringt, undin Baccanora am Golf von Malabar, das einen Überftuss an Rohrhat, dessengleichen es nirgends in der Welt giebt" („Reisen" III,133; IV, 25 und 78). In Bengalen fand Ibn-Batuta den Zuckermassenhaft und in unglaublicher Billigkeit vor (ebd. IV, 211),und der Gebrauch desselben war allerorten ein ganz allgemeiner:vor dem Essen gab man „mit Kand versüsstes Wasser, d. i. Syrupmit Wasser gemischt", herum (ebd. III, 124, 242), zum Nachtischgenoss man Syrup (ebd. III, 379), zu jedem festlichen Mahle gehörteZuckerwerk und „Chischti", ein ziegeiförmiger Kuchen aus Mehl,Butter und Zucker (ebd. III, 435 und 123), bei Hochzeiten undLeichenbegängnissen bewirtete man die Gäste mit Syrupwasser undRosenwasser, das in mächtige Schläuche aus Büffelhaut gefülltwar (ebd;' I, 247 und 366; III, 237 und 285), und Zucker oderSyrup benutzte man zu Gaben und Geschenken, wie denn z. B.eine indische Prinzessin, als Beweis ihrer Gunst, Ibn-Batuta vierPfund Melasse überreichen Hess (ebd. IV, 252). Dass Zucker einganz gewöhnlicher Nahrungsgegenstand war, geht auch aus demUmstände hervor, dass er zur Naturalverpflegung gehörte; unterden Lebensmitteln z. B., die Ibn-Batuta vom Sultan von Delhierhielt, befanden sich stets „ auch eine grosse Anzahl PfundeZucker" (ebd. III, 382 und 385). Delhi war nach Ferischta(„Geschichte Hindostans", ed. Briggs I, 359) schon zur Zeit des