Die europäische Zuckorraffination im 17., 18., u. ■/.. Anfang d. 19. Jahrh. 369
Oxydhydrat (ebd. 326), Freund 1827 kohlensaures Kali und Walker-erde, Pajot de Charmes 1821 Thonerde und Kohlenstaub, einePariser Raffinerie Bleiessig und Kreide (ebd. 330), und BatleyHess sich 1810 das, schon den Persern bekannte Läutern mittelstMilch, als neue Erfindung patentieren (Poppe, „Gesch. d. Techn."IV, 148ff.). Auch wurden verschiedene Verfahren vorgeschlagen,um den Rohzucker schon vor dem Auflösen von allen, oder denmeisten verunreinigenden Substanzen zu befreien: Boucherieschichtete denselben 12—15 Zoll hoch in flache viereckige Ge-fässe mit Siebboden, und gab eine Thondecke (Poppe, „Techn.Lex." V, 781 ff), Wakefield suchte die Melasse mechanisch ab-zupressen (Schmidt 340), Howard stellte mit möglichst wenigWasser eine dicke Maische her, füllte diese in Basterformen, undHess den Syrup abziehen (ebd. 331), Druke verdrängte ihn durcheine Decke von „gut angemachtem, von allen groben Teilchen mittelsteiner Seiherpresse*) abfiltriertem Gyps" (Poppe, „Techn. Lex." V,781 ff), endlich wurde auch angeraten „den Rohzucker ohne Auf-lösen und Wiedereinkochen zu läutern", indem man ihn angefeuchtetin ein Gefäss mit Doppelboden bringt, und den Syrup unter Dampf-druck oder Luftdruck von oben, Luftleere von unten, oder hydro-statischem Druck, von den Krystallen trennt (ebd.). ÄhnlicheApparate zum Ausdecken des Rohzuckers in dünner Schicht unterAnwendung der Luftleere konstruierten auch Hayne, Crosley,Poole, Graham, und Cooper (Schmidt 335ff; Wray 380ff),und noch weit mehr derartige Patente wurden genommen, als dieKolonieen sog. Melado, d. i. geläuterten und dann sofort einge-dickten, Syrup und Krystalle enthaltenden Saft, nach England zusenden begannen (Reed 14).
Die Bodenarbeit erfuhr wesentliche Verbesserungen, indemman die Brote nicht mehr auf Pötten, sondern auf hölzerne, an-fangs mit Thonrinnen, später mit Zinkblech ausgekleidete Stellagensetzte, und auf Vorschlag Ho ward's nur mit kalter gesättigterZuckerlösung deckte; trotz der bahnbrechenden BemühungenHo ward's wurde indessen das Decken mit Thon erst nach 1850völlig aufgegeben (Poppe, „Techn. Lex." V, 781 ff.; Reed 35 und136). Der Ersatz der wässerigen Zuckerlösung durch eine alko-holische, den namentlich Derosne und Parayon empfahlen, be-währte sich nicht, auch nicht, als Thon und verdünnter Alkoholangewandt wurden (Schmidt 186). Howard konstruierte auchzuerst Metallformen zur Herstellung gepresster Brote, und empfahl
*) Filterpressen waren also jedenfalls schon vor 1820 bekannt.Iiippmann, Gescliiclito dca Zuckers. 24