Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
368
Einzelbild herunterladen
 

368

Dreizehnter Abschnitt.

B

I

■

stallisationen zu fördern" (Beckmann, „Phys.-Ökon. Bibl." XVIII,365), 1793 entfärbten Lowitz und Piepenbring Ol, Alkohol undHonig mit Holzkohle, hatten aber bei Zuckersyrupen keinen Er-folg (ebd. XVIII, 166; Wiegleb II, 540), und 1794 gelang eseiner englischen Raffinerie, Holzkohle mit grossem Vorteil beimKlären des Rohzuckers zu benutzen (Poppe, „Gesch. d. Techn. 6IV, 148 ff.). Daraufhin wurden in der Folgezeit viele Patente ge-nommen, in denen Holzkohle, allein, oder zusammen mit anderenKlärmitteln, eine Rolle spielte: eines der bekanntesten war dasGuillon's (Schmidt 328), welcher auch zuerst, zum Abziehendes geklärten Saftes unter der Schaumdecke, einen Heber benutzthaben soll, dessen einer Schenkel vorher gefüllt werden konnte,so dass kein Ansaugen desselben nötig war.

Die Knochenkohle, deren entfärbende Wirkung ziemlich gleich-zeitig von den Pharmaceuten Magnes in Toulouse, und Figuierin Montpellier, 1812 zufällig entdeckt wurde (Schmidt 36)*), —von Letzterem bei Darstellung einer Stiefelwichse aus Weinessig,Honig und Beinschwarz, — fand, wie es scheint, sofort in denfranzösischen und englischen Raffinerieen Anwendung. Martineauin London nahm 1815 ein Patent auf das Klären von Rohzuckermit Knochenkohle (Reed 12), und zwar wurde dieselbe als feinesPulver in den Syrup gebracht, und letzterer dann durch Körbeaus Weidengeflecht, die mit einem Tuch ausgelegt waren, filtriert.Dieses Verfahren verbreitete sich rasch, und war z. B. in Hamburgschon 1821 unter dem Namen „englische Methode" allgemeinüblich (Tooke und Newmarch I, 245). Dem lästigen Missstande,der in der leichten Verstopfung des Tuches durch den feinenKohlenschlamm lag, half 1825 Taylor durch seine „Sackfilter"ab, die, bei grosser freier Oberfläche, dem Safte leichten Durch-gang gestatten, und noch heute in den Kolonialzucker-Raffinerieenmit Nutzen angewandt werden. Säulenfilter, welche den Gebraucheiner beliebig grossen Menge Knochenkohle in gekörntem Zu-stande, und daher deren Wiederbelebung ermöglichten, führten1829 Dumont, und 1830 Derosne ein (Schmidt 143), ge-schlossene Filter, durch die das Klärsei unter Druck strömte, abererst Peyron 1835 (ebd. 346).

Als Klärmittel wandte 1802 Murray Thonerde an (Beck-mann, „Phys.-Ökon. Bibl." XXI, 60), Howard 1810 Thonerde-hydrat und Gyps (Schmidt 142), Wilson 1815 Zink- oder Zinn-

*) P ometius (I, 292; II, 124) beschreibt sie genau, ohne indes dieentfärbende Kraft zu erwähnen.