Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. z. Anfang d. l'J. Jahrb.. 367
wonach an den beiden Enden eines starken Wagebalkens zweigleiche Pfannen aufgehängt wurden, sodass man, sobald der Sudbeendet war, durch Drehen des Balkens den einen Kessel vomFeuer abheben, und den anderen, inzwischen mit Klärsei gefüllten,an dessen Stelle bringen konnte (Schmidt 91). Der Kunstgriff,die beim Kochen entstandene gelbliche Färbung des Zuckers durcheinen Zusatz von Indigoblau vor Beendigung des Sudes zu ver-decken, war 1773 schon bekannt, wurde aber erst 1780 durchBeckmann öffentlich erwähnt („Anl. z. Techn." 395; „Phys.-Okon.Bibl." XVII, 526). Dass man durch sorgfältigeres Einkochen derSyrupe, durch sorgsame Regulierung der Temperatur, und durchBenutzung grösserer Gelasse an Stelle der Lompen- und Baster-Formen, viel mehr und weit besseren und grobkörnigeren Faringewinnen könne, zeigte zuerst eine Pariser Raffinerie im Jahre1783 (Gotthard 5); meist wendete man grosse, mit Zinkblechausgeschlagene, und am Boden mit einigen Abnussöfihungen ver-sehene Kisten an, deren Vorzüge noch Parayon rühmt (Schmidt186).
Von der Dampf kraft machten zuerst die Raffinerieen in BristolGebrauch, welche seit 1800 die Basterzucker mittelst eines mar-mornen Kollerganges zerkleinerten (Poppe, „Gesch. d. Techn."IV, 148ff.); weitere Verbreitung fand aber die Anwendung desDampfes erst, als Howard 1813 das Kochen im luftleeren Räumeerfand, und einen, anfangs nur mit einem Doppelboden, späterauch mit Heizschlangen versehenen Vacuumapparat konstruierte(Reed 12). Den Ersatz der kupfernen und messingnen Saftpumpen,welche selbst schon einen grossen Fortschritt gegenüber der früherallein üblichen Arbeit mit dem Schöpflöffel bildeten, durch dassog. Montejus, erdachte Dubrunfaut (1819), und schuf hierdurchdie Möglichkeit, grosse Massen Klärsel, ohne jede Abkühlung, mittelstDampf auf beliebige Entfernungen fortzubewegen (Schmidt 85).
Zur Entfärbung der Zuckerlösungen suchte man zunächstHolzkohle anzuwenden, deren grosses Absorptionsvermögen fürfärbende, schleimige, und schmierige Stoffe, von welchem manschon im 15. Jahrhunderte zur Reinigung von Alaun- und Sal-peter-Lösungen Nutzen zog (Peters II, 129), Lowitz 1785 neuentdeckt hatte; 1786'stellten Lowitz und Succow mittelst Holz-kohle schönen, klar krystallisierten Weinstein dar, den man bisdahin nur in Venedig, und zwar durch Klären mit Eiweiss undThonerde, zu bereiten verstand, 1788 reinigte Trommsdorf mitHolzkohle „übelriechende und faule Weine" (Böhmer I, 688ff.und 411), 1792 bestätigte Gadolin „deren Eigenschaft alle Kry-