366
Dreizehnter Abschnitt.
dische an die Rübenzuckerfabrikation verloren ging, immer weiter,und schliesslich bis zur Bedeutungslosigkeit ab (ebd. I, 326).
Unter den nämlichen widrigen Umständen hatten auch diepreussischen Siedereien zu leiden, da die Vorteile, welche ihnendurch das Monopol geboten waren, infolge der wachsenden Er-zeugung von Rübenzucker innerhalb des Steuergebietes, allmählichschwanden, und ihre Privilegien, ohne jemals formell aufgehobenzu werden, ihren Wert immer mehr, und schliesslich völlig ver-loren (Schulze a. a. 0.). Mit weit grösserer Energie und Intelli-genz als die Hamburger Raffinerieen, waren dieselben jedochbestrebt, sich der veränderten Lage anzupassen, und durch Ein-führung neuer Erfindungen und Verbesserungen ihren Betriebbilliger, und ihre Arbeit lohnender zu gestalten.
Die erste und wesentlichste Umänderung des alten Raffina-tions-Verfahrens scheint 1778 von den Brüdern Boucherie inBordeaux ausgegangen y.n sein, und bestand darin, die Zuckerlösungin flachen Kesseln, in einer höchstens 8—9 Zoll hohen Schicht,und bei nicht mehr als 85° R. einzudicken; man erhielt auf dieseWeise sehr helle Füllmassen, und beschränkte die Melassenbildungderartig, dass die Ausbeute von 67°/ 0 auf 80°/ 0 des Rohzuckersstieg, und pro Quintal einen Vorteil von 23 Francs ergab. DerStaat ordnete daraufhin Raffinationsversuche an, die in Paris statt-fanden, und so vorzüglich ausfielen, dass die Erfinder Schutz fürihr Verfahren, und ausserdem eine hohe Staatsprämie erhielten;eine von ihnen in Bercy bei Paris eingerichtete Raffinerie machtenicht nur den anerkannt schönsten Zucker, sondern auch die bestenGeschäfte (Le Grand d'Aussy II, 204; Poppe, „Gesch. d. Techn. 1 'IV, 148ff.). Im nämlichen Jahre (1778) führte auch Sainthillin Greenock die Läuterpfannen ein, die jedoch erst allgemein An-wendung fanden, als Smith sie (1823) mit einem Doppelbodenversah, sodass man mit Dampf kochen konnte, und Taylor undMartineau ausserdem noch Dampfschlangen hinzufügten (ReedlO;Schmidt, „Handbuch der Zuckerfabrikation*, Weimar 1847, 124).An Stelle der eingemauerten Kochpfannen traten um 1780 die zu-erst in Frankreich angewandten Schaukelpfannen, auch Seilpfannengenannt, weil sie den an einem Seil hängenden kleinen Koch-kesseln der Zuckerbäcker nachgebildet waren (Poppe, „Technolo-gisches Lexikon", Sttgt. 1820; II, 779); sie gestatteten das Fertig-kochen auszuführen, ohne jedesmal das Feuer löschen zu müssen,und ermöglichten es, den Kessel gänzlich zu entleeren, und dasAnbrennen der letzten Reste Füllmasse zu vermeiden. Statt derSchwenkpfannen benutzte man auch die Einrichtung Raphneau's,