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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Dio europäische Zuckerraffination im 17., 18.. n. zu Anfang d. 19. Jahrh. 363

Decken lieferten Havre und Rouen 1795 etwa 3900 Zentner, undder Zentner kostete, obwohl der Tkon als Ballast befördert wurde,3—4 Mark (S. 14 und 35). Um der fremden Konkurrenz überallbegegnen zu können, mussten die Hamburger so ziemlich alleZuckersorten anfertigen, welche die übrigen einheimischen undfremden Raffinerieen fabrizierten: Berlin verkaufte Fein Kanari,fünf Sorten Raffinade, drei Sorten Melis, und zwei Sorten Lumpen;Havre kleine und grosse Raffinaden (3—7 Pfund schwer), drei SortenMelis (2—9 Pfund schwer), und zwei Sorten Lumpen (10—12 Pfundschwer); Holland Kandisbrote (grobkörnige), Puderbrote (feinkörnige),Raffinade, Melis, Lompen, Bastarde, und gestossenen Puderzucker;England Melis, sog. Kanarilumpen, und feine sowie ordinäre Lomps;Dänemark fein Kanari, Kanarisorte, Extrafein Raffinad, Raffinade,Melis, und Lumpen. In Hamburg erzeugte man: Kandisbrote(sucre royal), Raffinade feinfein (5—6pfundig), Raffinade fein, Raffi-nade (10 —12pfundig), Melis in grossen, mittleren und kleinenBroden (letztere 5 — 6 pfundig), Lumpen oder Kochzucker (17—18 pfun-dig), Bastern oder Streuzucker (40 — SOpfündig), und weissen, gelbenund braunen Kandis in zwei Qualitäten (S. 61 ff.). So konnte manüberall „andienen", was auch von anderer Seite angeboten wurde,und die Raffination stand in so grossem Flor, dass sie eine derwichtigsten Triebfedern für Handel und Reichtum der Stadt war,die auch, obwohl Zucker schon zu Anfang des 18. Jahrhundertes inkeinem Haushalte fehlte*), gegen 1800 jedenfalls bezüglich der Mengedes verbrauchten Zuckers eine der ersten Stellen in Europa einnahm.Auch zu Anfang des 19. Jahrhundertes blieb das Zuckerraffinierennoch eine Hausindustrie; Soltau („Die Hamburger Zuckersiedereien",Hamburg 1820) sagt, dass um 1805 die Verhältnisse im ganzendie nämlichen wie zur Zeit Büsch's gewesen seien, nur war man

*) Diese Behauptung wird durch dio. meist in Hamburg spielendenKomödien Holberg's (1684—1764) völlig bestätigt. In „Hans Franzen"III. 4 (Übers, von Prutz, Hildb. 1868) heisst es: „für Thee, Kaffee, Tabak,und Zucker reicht man in anständigen Häusern jährlich nicht mit hundertThalern"; im „Politischen Kannegiessor" IV, 4 wird um Syrup für den Kaffeegeschickt, in der „Wochonstubo" I, 2 geklagt, „dass man jetzt bei feinenLeuton, statt eines Tisches, vollgerüttelt mit Gerichten, nur Kaffoe, Theound Komplimente vorgesetzt bekomme", und ebd. I, 7 findet sich folgendosGespräch: Mädchen: „Ich muss auch noch gleich Gold zu einem Hut Zuckerhaben, es ist kein feiner Zucker mehr im Hause." Corfitz: „Der Zuckerschon alle? Na, das ist doch, um einen armen Mann auf einmal zu ruinieren!Für Zucker geb' ich kein Geld mehr, sie können braunen Zucker nehmen,der ist lange gut." Mädchen: „Ei, Meister, man kann doch nicht braunenZucker zum Kaffee nehmen, wenn Fremde da sind!" (Abfassuugszeit 1722und 1723).