Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. z, Anfang d. 19. Jahrb. 361
zu vermieten. „Ein Arbeiter, der durch allmählich gewonneneKenntnis der Sache, in einer der grösseren Fabriken bis zurWürde eines Meisterknechtes gestiegen ist, und von seinem Ver-dienst ein kleines Sümmchen zurückgelegt hat, sucht sich einderbes, der Arbeit gewohntes Weib aus, heiratet sie, mietet einHaus für etwa hundert Thaler, schafft sich eine Pfanne nebstGerätschaft von seinem kleinen Kapital an, nimmt einen frischengesunden Burschen entweder auf Zeit in Lehre, oder bloss alsTagelöhner, arbeitet nun selbdritt, allenfalls auch, wenn die Arbeitbeiss geht, mit Hilfe einer starken Magd, und bringt es unterdiesen Umständen, bei guten Zeiten, und wenn der Zucker starkgesucht ist, auf 100 000 Pfund im Jahr. Ein anderer, der wenigerversteht und weniger zurückgelegt hat, arbeitet allein auf Kandiszucker,ein dritter, dessen Kräfte nicht einmal so weit reichen, kocht nurSyrup aus Schaum rein aus. Durch allmähliche Erweiterungsolcher Raffinerieen sind alle die grossen Raffmerieen entstanden,die mit 12 Leuten arbeiten, jährlich 200 000—240 000 Mark um-setzen, und dabei 500 000—600000 Pfund ausliefern, nebst 100000— 120000 Pfund Syrup. Man verarbeitet neben Rohzucker auch„gemachten Zucker", besonders sog. Lumpen, d. i. eine ganz grobe,nur oberflächlich raffinierte, durch Einkochen von Rohzucker, undAblaufenlassen des Syrups gemachte Waare, die zumeist aus Eng-land kommt; die Engländer können diese nämlich mit grossemVorteil exportieren, weil sie die, für 100 Pfund Rohzucker (dessenAusfuhr verboten ist) erhobene Steuer, schon bei der Ausfuhr von50 Pfund Raffinade rückvergütet erhalten, so dass sie an den ge-ringeren Produkten, auch bei billigem Preis, grossen Nutzen be-halten. Der Betrieb der Raffinerieen erfolgt in „Runden", derenAusfall hauptsächlich von "der genauen Aufmerksamkeit auf denkritischen Moment des Siedens abhängt, wenn sich der Zuckersetzt; durch scharfes Aufpassen kann man hierdurch leichtV 4 — 1 / 2 % mehr Ausbeute erzielen. Der erste Syrup beträgt beifeinem Rohzucker 45°/ 0 , bei ordinärem 55°/ 0 und mehr der ur-sprünglichen Menge; er giebt noch 2—4 Produkte, die wieder einoder mehrere Male in den Klärkessel zurückwandern, bis zuletztetwa 14°/ 0 Syrup mindestens übrig bleiben. Eine Runde dauertim ganzen 8—9 Monate, wovon 2—4 auf die Brot-, die übrigenauf die Syrup-Arbeit kommen; nach Schluss derselben wird allesgereinigt, und dann wieder mit Rohzuckerklären von neuem be-gonnen."
Diese eigenartige Betriebsweise. —■ je 20—30 solche Fabri-kanten hatten zusammen nur einen Buchhalter nötig (Busch 21),