Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. •/. Anfang d. 19. Jahi'li. 359
vade „d. i. ein bloss einmal gekochter, brauner, fast flüssiger Roh-zucker" jetzt nicht mehr als solche in Deutschland genossen,sondern in den „Zuckerbäckereien" gereinigt, indem man sie mitKalkwasser und Eiweiss, oder auch, nach einer in Amsterdam um1700 gemachten Erfindung, mit Blut klärt; das Klären geschiehtin kupfernen Pfannen, deren eine, bei 28 Zentner Gewicht, über1000 Thaler kostet. Gekocht wird gleichfalls in kupfernen Pfannen,an deren Rand dabei ein feiner, und bei Vielen sehr beliebterZucker, der sog. Pfannenzucker, eintrocknet. Die Zuckerformenkommen aus Holland, der Zuckerthon meist aus Rouen, Saumur,St. Malo, Bordeaux, und Briancon, obwohl eigentlich jede gutePfeifenerde ganz ebenso brauchbar ist. Das fertige Produkt heisstRefinade oder Rafinade, und ist ein feinerer Melis; je mehr undöfter man es umarbeitet, desto schöner und weisser wird es, aberdesto mehr verliert es auch von der ursprünglichen Wohlschmecken-den Süsse des Zuckers. Noch feiner wie Raffinade ist Kandis,den man in gelochten, mit Fäden durchzogenen, und mit Papierumklebten Kupferpotten krystallisieren lässt.
Böhmer (I, 731 ff.) sagt gleichfalls, dass „Moscovade, auchMascovade oder Muscuat" genannt, in Deutschland nicht mehrverkäuflich sei, sondern stets umgearbeitet werde. Man verfertigtZuckerhüte, „die auch Zuckerbrot heissen", und deren beste Sorte,Feinzucker oder Refinat, „auch die Namen Valencia-, Valenz-Zucker,und bei den Ärzten Tabarzetzucker führt", Kaudiszucker, den manan Hölzchen, in neuerer Zeit auch an Fäden krystallisieren lässt,Penid- oder Kinderzucker, und Gerstenzucker oder gewundenenZucker; die übrigbleibenden Syrupe kann man zu Rum brennen.
Über den Betrieb der Berliner Raffinerieen findet sich einigeAuskunft bei Hallens („Werkstätte der heutigen Künste", Lpzg.1765*); IV, 1 ff.). Nachdem der Verfasser die Bereitung des Roh-zuckers an der Hand Labat's geschildert, und erwähnt hat, dassder Versuch, in den königlichen Gewächshäusern Zuckerrohr zurReife zu bringen und daraus Zucker zu pressen, leider kein brauch-bares Ergebnis geliefert habe, sagt er: „Die Berliner Siedereienhaben nach denen Amsterdams wegen ihres Umfanges den erstenRang, und vor den Hamburgischen, deren man bei hundertenzählt, in der Menge der Pfannen den Vorzug. Die Berliner Pfannenfassen 24 Zentner Rohzucker und ebensoviel Kalkwasser, sie stehen jin Öfen eingemauert längs einer Wand, und jeder Ofen hat für
*) Tafel 1. dieses Werkes giobt vermutlich die Abbildung einer BerlinerRaffinerie.