Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
356
Einzelbild herunterladen
 

356

Dreizehnter Abschnitt.

■

und zwar berührt die Flamme nur den Unterteil des Kessels. Manfüllt die Klärpfannen mittelst Eimern zu 2 / 3 mit reinem, völlig klaremKalkwasser, bringt ein gleiches Gewicht Rohzucker hinein, heiztunter stetem Umrühren an, fügt einen Eimer ganz frisches Rinds-blut (oder, nach alter Methode, die entsprechende Menge Eiweiss)zu, setzt die Randreifen auf, mässigt, sobald mau durchgemischthat, sogleich das Feuer, lässt den Schaum aufsteigen, löscht, sowiedies geschehen ist, das Feuer aus, wartet eine Viertelstunde bisder Schaum zusammensinkt, und schöpft ihn ab; wenn man dasFeuer nicht rechtzeitig löscht, so trennen sich Syrup und Schaumnicht voneinander ab. Nach dem Abschäumen feuert man wiederan, giebt noch etwas Blut und Kalkwasser zu, und wiederholt dasGanze so lange, bis kein Schaum mehr aufsteigt, und die Lösungvöllig blank erscheint, worauf man sie durch einen mit Leinwandausgelegten Korb, in eine grosse, meist versenkte Sammelkufe ab-filtriert. Aus dieser schöpft man die Kläre in den Kochkessel,nimmt diesen halb voll, giebt starkes Feuer, setzt etwas Butterzu, um den Schaum niederzuhalten, und kocht rasch, jedoch nichtzu schnell (weil sonst plötzlich vieles feines Korn entsteht), unterstetem Umrühren mit dem Probestabe, bis zur Fadenprobe ein;im richtigen Moment löscht man das Feuer, und schöpft die Massein den Kühlkessel. In diesem lässt man, um Ungleichheiten derKonzentration auszugleichen, 6—8 Sude zusammenkommen, rührtschliesslich nochmals tüchtig um (da sich oben eine Kruste bildet,und noch mehr Krystall zu Boden fällt), und füllt aus, indem manjede Form immer nur mit einem Viertel, bei kleinen Formen mit derHälfte der ganzen Füllmassenmenge beschickt, und dies wiederholtbis sie voll sind. Die Formen sind aus Thon, und fassen meist30—35 Pfund Füllmasse, was 15—17 Pfunden trockener Raffinadeentspricht; man hat aber auch Formen, die nur 2, und solche, die20 Pfund fertigen Zucker ergeben. Vor dem ersten Gebrauchlässt man sie 4—5 Tage in Gährwasser und 2—3 Tage in reinemWasser liegen, wäscht und trocknet sie sorgfältig, und verstopftdas Loch an der Spitze mit einem Leinwandlappen. Nach demFüllen werden die Brote zweimal umgerührt, auskühlen gelassen,und dann durch die in den Fussböden vorhandenen Lucken aufdie Böden befördert; hier entfernt man die Lappen, sticht miteinem Pfriemen ein, setzt die Brote auf Pötten, und lässt den rotenschleimigen Grünsyrup ablaufen, was 4—G Tage dauert. Hieraufwerden die Brote besichtigt, die guten auf andere Pötten gestellt,nach dem Abkratzen der obersten Schicht mit neuen Böden ver-sehen, wozu man etwa 10°/ 0 weisser feingesiebter Kassonade an-