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Die europäische Zuckerraffination im 17., 18., u. zu Anfang d. 19. Jahrli. 355
und er wird stets erheblich teurer bezahlt als der von Paris, Tours,oder Orleans.
Die erste fachgemässe Beschreibung der Zuckerraffination ver-danken wir Duhamel duMonceau (1700—1781), einem Chemiker,Gelehrten, und Technologen von seltener Vielseitigkeit und Gründ-lichkeit, der auf zahlreichen Gebieten Nützliches angeregt und be-wirkt, und unter anderem auch zuerst das Natron als besonderesAlkali erkannt, und vorgeschlagen hat, Soda künstlich aus Koch-salz herzustellen. Auf Grund eigener genauer Beobachtungen inden Raffinerieen von Orleans, Nantes, la Roch eile, und Marseille,schrieb er das Werk „L'art de raffiner le Sucre", welches 1764in Paris erschien, und neben dem laufenden ausführlichen Textezehn Tafeln Blustrationen in Gross-Folio enthält, welche zahlreicheund getreue Abbildungen sämmtlicher Gebäude, Räume, Apparateund Geräte einer Raffinerie, bis zum kleinsten herab wiedergeben.
Duhamel du Monceau beginnt mit der Schilderung desRohzucker-Magazines. Ein solches soll jede Raffinerie haben, undes so gross und geräumig bauen, dass man Platz hat die Zucker-fasser zu lagern, zu zerschlagen, die verschiedenen Sorten Zuckerauszusuchen, und getrennt in Haufen zu werfen; das Magazin sollluftig und reinlich sein, und muss deshalb mit Kanälen und Sammel-löchern für die aus den Rohzuckerfässern stets abtropfenden Syrupeversehen werden. Da guter Rohzucker ' 2 / ft Raffinade giebt, schlechteraber viel weniger, so ist es offenbar, dass eine Raffinerie, um gutund gleichmässig zu arbeiten, auch stets ein gleichmässiges Gemischaus den eingekauften Rohzuckern in Arbeit nehmen muss; dies be-wirkt man am besten dadurch, dass man jede Klärpfanne mit einerbestimmten Anzahl von Holzkübeln ausstattet, von denen jedesmaldie Hälfte oder ein Drittel mit besserem, die übrigen mit ge-ringerem Rohzucker gefüllt zugetragen werden, so dass man stetsein Gemenge von gleichmässiger Beschaffenheit erhält. In derRegel hat man zwei Klärpfannen, einen Kochkessel, und einenSchaumkessel, welche sämmtlich vier Fuss Durchmesser besitzen,aus Kupferblechen zusammengenietet sind, flache Böden und einbis zwei Randreifen haben (die man, wenn der Schaum steigt,aufsetzen, und nachher wieder abnehmen kann), und behufs leichtererBeschickung am bestell in den Boden eingesenkt, und ringsum mitBleiplatten abgedeckt werden. Gefeuert wird mit Steinkohle*),
*) Nach Vonel (,,Instruction sur l'usagc de la houille", Avignon 1775)verwandte die Raffinerie in Montpellier um 1750 zuerst Steinkohle zu Hoiz-zwecken.
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