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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Dreizehnter Abschnitt.

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getrockneter Zucker, ein weisses, körniges, ähnlich wie Veilchenriechendes und schmeckendes Pulver, dessen beste Sorten aus Bra-silien und Westindien kommen, und den eigentlichen Rohstoff derEaffinerieen bilden. Das Hauptprodukt der letzteren ist Hutzuckerin etwa 12 Pfund schweren Broten, die man in graues und blauesPapier einschlägt; sie sind weiss, feinkörnig, hart und klingend,und bilden die Waare des bürgerlichen Haushaltes, der sich nichtdaran kehrt, dass sie häufig Fehler haben nnd gelbliche Fleckenzeigen. Durch Umklären und Umkochen macht man aus diesem Zuckerkleinere, sehr feine Brote von nur 2—6 Pfund Gewicht, welcheman als Geschenke, zur Darstellung weissen Syrups, und zum Ein-machen der feinsten Früchte und Konfitüren benutzt. Durch noch-maliges Umkochen solcher kleiner Brote, oder der allerbesten,ganz hellen brasilischen Kassonade, erhält man den sog. Königs-zucker, den man zuerst in Rouen, später auch in Dieppe undOrleans bereitete; er hat ein feines, dichtes, glänzendes, sehr festesKorn, und jeder einzelne Hut ist von oben bis unten tadellos, undan der Spitze ebenso schön wie am Fuss. Die Holländer, diejetzt solchen Zucker in kleinen, violett einpapierten Broten liefern,fabrizierten ihn früher in 18—20 Pfund schweren Hüten, wickeltendiese in Palmblätter ein, und verkauften sie als „Palmzucker".Ahnlich sollen auch die Zucker beschaffen gewesen sein, welchevordem Madeira und Kanaria nach Europa sandten, die aber jetztdurch die westindischen und brasilischen verdrängt sind. Ausden Syrupen, die bei der Darstellung der feinen Zucker abfiiessen,kocht man den sog. „Chypre", einen rötlichgrauen, meist etwasfeuchten und brenzlichen Zucker, der ehemals allgemein beliebtwar, jetzt aber nur mehr von ärmeren Leuten gebraucht wird; derSyrup, der von diesen abfliesst, heisst „ Malasse", und geht meistnach Holland, wo ihn die Arbeitsleute statt Zucker verzehren, oderdie Fabriken ihn zum Rumbrennen und zum Einquellen des Tabaksverwenden. Aus Hutzucker oder weisser Kassonade stellt manauch den Kandis dar: man löst den Zucker auf, kocht ihn nichtallzuschwer ein, füllt ihn in grosse kupferne Gefässe (Pötten), diemit kleinen Hölzchen ausgesetzt sind*), und hält ihn 14 Tagelang in einer sorgfältig geheizten Stube warm. Ebenso machtman auch braunen Kandis aus Moscovade, benutzt aber hierzuirdene Töpfe; den besten Kandis erzeugen noch immer die Holländer

*) Die Gewohnheit, Zucker an Hölzchen krystallisieren zu lassen, er-hielt sich noch lange, nachdem sie für andere Stoffe längst abgekommenwar; so z. B. sagt Pometius (II, 345): „Borax schiesst an Baumwollfädenan, wie Zucker an Holz."