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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Der Zuckervoi'braucli Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 351

Rosenlionig als in reichen Bauernhäusern allgemein gebräuchlich(Rapp VII, 122), und auch in Lope de Vega's „Dr. Simpel"(Schack II, 286) sagt der Doktor: „Dieser Mensch nascht mirnoch die eingemachten Birnen aus meinem Honigtopf!" Bei denlyrischen Dichtern findet sich der Zucker ebenfalls merkwürdigselten genannt; in den Gedichten der „Blütenlese spanischer Dichter"(ed. Hart, Sttgt.) begegnen wir z. B. nur einmal, in Roxas-Zoxilla's „Zofenliebe" (verf. um 1660) dem Ausdrucke „Zucker-püppchen". Ebenso verhält es sich bezüglich der Prosalitteratur;eine der wenigen Stellen die des Zuckers Erwähnung thun, istz. B. die folgende aus Balthasar Gracian's „Handorakel undKunst der Weltklugheit" (deutsch von Schopenhauer, Lpzg.1871, 171): „Allezeit habe man den Mund voll Zucker, um seineWorte damit zu versüssen, so dass sie selbst dem Feinde wohl-schmecken."

Sogar die Litteratur des in damaliger Zeit so verarmten Deutsch-lands tlmt es in dieser Hinsicht der spanischen zuvor, und ganzabgesehen vom „Brunnen Arethusa, darin lauter Zuckerwasser" inGrimmelshausen's „Simplicius Simplicissimus",jenem, die Gräueldes dreissigjährigeu Krieges in so schauerlicher Nacktheit enthüllen-den Lebensbilde, dürfte vielleicht seit den Zeiten der arabischenHofdichter nicht so viel Zucker zu gereimtem Phrasen verbrauchtund verarbeitet worden sein, als seitens Hoffmanswaldau's(1618—1679) und Lohenstein's (1625—1683), der wahren Ver-treter der deutschen Schwulstpoesie; bei Ersterem wimmelt inmanchen Gedichten fast jede Zeile von Zuckerworten, Zuckersilben,Zuckerlust, Zuckerrosen, Zuckermündlein, u. dergl., und der Letzterelässt im „Sultan Ibrahim"-die „Seelen" aus den Lippen der schönenAmbre „Zuckerseim und Zuckers süsse Huld" saugen, in „Venus"den „sanften zuckersüssen West" wehen, und versteigt sich schliess-lich zu der Kraftstelle:

„Nektar, und Zucker, und saftiger Zimmt,„Perlontau, Honig, und Jupiters Salt,„Balsam der über Kohlenglut glimmt,„Aller Gewächse vereinigte Kraft,„Schmecket zu rechnen mehr bitter als süsse„Gegen -den Nektar der zuckernen Küsse",

die ein trauriges Beispiel dessen liefert, was man zur Zeit dertiefsten Erniedrigung der deutschen Litteratur unter Poesie ver-stand, und als warnendes Muster für die Vergeblichkeit des Be-ginnens dasteht, den Mangel tiefen Innengefühls durch äusserenFlitterstaat ersetzen zu wollen.

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