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Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und 18. Jahrhunderte. 347
„Cahovet" schon zur Zeit Ludwig's XIII. (1610—1643) bekannt(„Histoire des plantes de la Guyane", Paris 1774), auch brachte1657 Thevenot Kaffee dahin, in Aufnahme kam derselbe abererst, als Ludwig XIV. beim Empfange der Gesandtschaft SultanMohammed's IV. Kaffee genoss (1670), und dieses Getränk inHofkreisen einführte. Der hohe Adel und die besseren Bürger-kreise begannen sofort gleichfalls Kaffee zu trinken, auf der Messevon St.-Germain wurde noch im nämlichen Jahre Kaffee öffentlichausgeschänkt, 1671 gründeten Pascal, ein Grieche, und Procop,ein Italiener, die ersten Kaffeehäuser, und so gross war das plötz-liche Verlangen nach Kaffee, dass der Preis desselben in Marseille,wo er damals allein zu haben war, auf 140 Francs für das Pfundemporschnellte (Le Grand dAussy III, 126ff.; Brillat-Savarina. a. O.). Obwohl der Kaffee anfangs als gesundheitsschädlichgalt, — noch Madame de Sevigne rät 1680 ihrer Tochter, ihnnur mit Milch und Zucker zu trinken „ pour en temperer ledanger", — so war doch schon in kürzester Zeit sein Genussdurch ganz Frankreich verbreitet, wo er den des Thees dauerndverdrängte (Pometius I, 162). „Ein Gebräu von Kaffee," sagtPometius (1, 235), „ist heutzutage bei jedermann üblich; mansetzt Zucker zu, zuweilen auch Gewürz und Zimmt, und mancheLeute essen auch die gekochten Bohnen*);" als 1709 der ersteKaffee auf französischen Schiffen direkt aus Arabien importiertwurde, bildete er den Gegenstand einer Manie: alle Welt mussteKaffee essen und trinken, es wurden Tabletten, Konfekte, Syrupeund Liköre daraus bereitet, der berühmte Doktor Ravoisierempfahl sogar Kaffee zu schnupfen, und diese Auswüchse trugennicht wenig dazu bei, den Kaffee allen Kreisen bekannt zu machen,und ihn rasch zu einem wahren Volksgetränke zu erheben (LeGrand d'Aussy a. a. O.). In Holland war der Kaffeegenussschon ein ganz allgemeiner, als 1666 in Amsterdam das ersteöffentliche Kaffeehaus entstand, und den Holländern gebührt auchdas Verdienst, 1694 zum ersten Male rohen, d. h. ungebranntenKaffee in ganzen Bohnen, nach Europa gebracht zu haben (Beck-
*) Elisabeth Charlotte von Orleans, geb. Prinzessin von der Pfalz,schreibt 1699 aus Versailles in ihren „Briofen" (ed. Geiger, Sttgt. 62 und16(5): „Viele Leute hier trinken Thee und Kaffee und Chokolato, aber ichnehme gar nichts von diesem Zeug, bilde mir ein, es sei nicht gesund. Kannnicht begreifen, wie man es gerne trinkt. Thee kommt mir vor wie Heuund Mist, Kaffee wie Russ und Feigbohnen, und Chokolado ist mir zu süss,thut mir wehe im Magen. Was ich aber wohl essen möchte, wäre eine guteKalteschale oder eine Biersuppe, . . . braunen Kohl oder Sauerkraut . . ..die iisse ich herzlich gern mit Buch, wollteGott ich könnte so glücklich werden ! il