326
Zwölfter Abschnitt.
Prämie bedingte, deren Betrag 1684 schon sehr merklich gewordenwar. Den Kolonieen wurde 1669 das Raffinieren verboten, dieAusfuhr von Rohzucker in fremde Häfen untersagt, und die nachfranzösischen Häfen nur gegen einen Ausfuhrzoll von 3°/ 0 gestattet(Beer II, 280); 1682 wurde dieser Zoll beträchtlich erhöht, unddas Raffinieren wieder erlaubt, die Einfuhr solcher Raffinaden nachFrankreich aber mit einem Differentialzoll von 8°/ 0 zu gunstender heimischen Siedereien belastet. Infolge dieser Umstände, undda während des Seekrieges von 1688 nur wenige französischeSchiffe nach den Kolonieen kamen, ihre Waaren nicht gegen Roh-zucker vertauschen wollten, und diesen hierdurch sehr entwerteten,wandten sich die Pflanzer seit 1695 der Darstellung des gedecktenZuckers zu; die französischen Raffineure begannen aber schon imnächsten Jahre über dessen Einfuhr Klage zu erheben, suchtendie Verschiffung des zum Decken bestimmten Thones in Rouenzu verhindern, und veranlassten schliesslich, dass 1698 der Ein-fuhrzoll für Rohzucker von 4 auf 3 und sodann auf 2 1 /., Francsfür den Zentner, und die Exportvergütung von 9 Francs auf5.62 Francs für den Zentner herabgesetzt, dagegen der Einfuhr-zoll für gebleichten Zucker wieder auf 15 Francs, und der fürHutzucker auf 22*/ 2 Francs erhöht wurde (La bat cap. 17;„Guide du commerce de lAmerique", Marseille 1777, 382 ff.).Da nach dem Ryswicker Frieden (1697) die Zuckerpreise wiederstiegen, hauptsächlich weil die Raffinerieen in Nantes eine grosseMenge westindischen Zuckers aufkauften (L a b a t a. a. 0.), somachten viele Pflanzer wieder Rohzucker, oder hellen aber unge-deckten Rohzucker nach englischem System; andere jedoch bliebenbei der Anfertigung von Raffinaden, deren direkte Verschiffungnach europäischen Häfen, der Türkei, und der Levante, besondersdas Haus Maurellet in Marseille betrieb, und dadurch die Pro-dukte portugiesischen Ursprunges (Madeira, St. Thomas) allmählichvöllig verdrängte (Labat, a. a. 0.). Durch alle diese Umständewurde es bewirkt, dass der Zuckerimport nach Frankreich selbst,kaum oder nur unerheblich zunahm, und dem wachsenden Bedürf-nisse der französischen Raffinerieen, deren grösste sich in Marseille,Nantes, Angers, Orleans, und Saumur befanden, und „viele Tausendebeschäftigten", nicht mehr genügen konnte (Falke II, 286 und288); in richtiger Erkenntnis dieser Sachlage hob die Regierung1717 alle Einfuhrbeschränkungen so gut wie völlig auf, und ge-stattete zugleich den Kolonieen den zollfreien Bezug der Waarendes Mutterlandes (Beer II, 280). Daraufhin nahm die Zucker-industrie des französischen Westindiens einen grossartigen und an-