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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zwölfter Abschnitt.

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der Mitte des 17. Jahrhunderts begann indes der holländische Handelimmer mehr unter der Konkurrenz des französischen und eng-lischen, sowie unter den zollpolitischen Massregeln der Nachbar-länder zu leiden, und je mehr sich das Plantagensystem und dieIndustrie der westindischen Inseln entfaltete, desto fühlbarer wurdeder Mangel ähnlicher, der Grossproduktion fähiger Kolonieen, undder, durch das, nur auf augenblicklichen Gewinn bedachte Aus-beutungssystem der ostindischen Kompagnie, begangene Fehler.Die, schon durch den Seekrieg mit England (1652—1654) derVernichtung nahe gebrachte holländische Marine, vermochte sichin der Folgezeit nicht mehr zu ihrer früheren Höhe aufzuschwingen,und geriet im Laufe des 18. Jahrhunderts in immer weiteren Ver-fall, der schliesslich durch den Krieg mit England 1781 besiegeltwurde; die ostindische Kompagnie, die durch schlechte Leitungund mangelhafte Verwaltung seit etwa 1725 in stetem Rückschrittebegriffen war, erhielt sich zwar bis 1795, in welchem Jahre sievon der Regierung aufgehoben wurde, vermochte aber für den Wohl-stand des Mutterlandes nichts Wesentliches mehr zu leisten, um so mehrals sie sich zur Verfrachtung billigerer Massenartikel, z. B. Reis,Wachs, und vor allem Zucker, erst in der zweiten Hälfte des18. Jahrhunderts, also zu einer Zeit entschloss, in der Hollandlängst aufgehört hatte, der Hauptmarkt Nordeuropas zu sein. Be-sonders die Raffinationsindustrie Amsterdams, die sich seit 1587in grossartiger Weise entwickelt, und England, Frankreich, Deutsch-land, und die Küstenstaaten der Ostsee mit Zucker versehen hatte(Beer II, 201; Falke II, 193), war seit etwa 1700 in raschemNiedergange begriffen, den selbst die vom Staate für Jeden, dermindestens 1000 Zentner Zucker versiede, ausgesetzten Prämien,nicht aufzuhalten vermochten (Beckmann, „Phys.-Okon. Bibl."XVIII, 512). In Deutschland und im Norden erlagen die Amster-damer Raffinerieen den viel billiger und besser arbeitenden Ham-burgs, auch geriet ihre Waare in Verruf, teils weil wiederholtgrobe Fälschungen mit Mehl und Stärke vorkamen, teils weil manbeim Klären der Zuckerlösung mit Rindsblut, welches ungefährseit 1700 an die Stelle des kostspieligen Eiweisses getreten war,nicht vorsichtig genug verfuhr*); obwohl der Magistrat die An-wendung des Blutes erst ganz verbot (1704, 1714), und sie danndurch eigene sog. „Blut-Faktoren" überwachen Hess, wurde häufigübelriechendes, angeblich sogar madiges Blut angewendet, wodurch

*) Das Klären von Salzlösungen mit Rindslilut erwähnt schon 1529Agricola (Peters II, 136).