Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

s

Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 319

<

allgemein für nahrhaft, der ärmste Mann isst Papelon, wie manin Europa Käse isst, auch bereitet man aus ihm den Guarapo, dasLieblingsgetränk des Volkes. Bei der Darstellung des Papelongebraucht man keinen Kalk, sondern bedient sich der Asche desBucare, d. i. Erythrina collarodendron. Trotz der schlechten Fabrika-tionsmethode der meisten Pflanzungen, denen noch jetzt zumeistKanarier vorstehen, wird doch mit Nutzen gearbeitet, und zwarrechnet man auf eine Tablone, d. i. l a /„ Morgen, jährlich 200—240 Piaster (ä Fr. 4,50) Reingewinn." „Guarapo bereitet man, in-dem Papelon in Wasser aufgelöst, und unter starkem Abschäumenetwas eingekocht, sodann abgekühlt, durchgeseiht, und in leichtbedeckten Gefässen, meist hohen irdenen oder hölzernen Krügen,einige Tage stehen gelassen wird; bis zum dritten Tage bleibt derGeschmack angenehm süss und weinsauer, sodann aber wird erherbe. Vielfach aber macht man auch Guarapo aus reinem Zucker-rohrsaft, wie dies z. B. in Venezuela Sitte ist" (Humboldt, ebd.II, 239).

In Guyana, welches 1626, und in Cayenne, welches 1634 infranzösischen Besitz kam, bildete die Zuckerrohrkultur von 1700an einen wichtigen Erwerbszweig (Beer II, 237); in Surinamwurde sie erst gegen 1750 von grösserer Bedeutung, verfiel abergegen Ende des Jahrhunderts wieder. Ludwig („Reisen in Surinam",Jena 1789, 81) und Blom („Der Landbau in Surinam", Amst. 1787)trafen daselbst viele Wassermühlen an, die jedoch nur bei Neu-oder Vollmond, d. h. bei Hochflut, arbeiten konnten, so dass dasZuckerrohr oft verdarb; der Saft wurde mit Alaun geklärt, undder Zucker war von schlechter Beschaffenheit, so dass selbst grosseund gut bewirtschaftete Plantagen nur 5—6 °/ 0 Reingewinn lieferten.Die Zuckerproduktion Demeraras war schon 1770 eine ziemlichvorgeschrittene; ■ aber erst als die Engländer 1795 das Land er-oberten und daselbst das zuckerreiche Otaheitirohr einführten,wurde sie für Europa von Wichtigkeit (Beer II, 198).

In Mexiko, dessen elende Verwaltung durch die spanischenBehörden, jede gedeihliche Entwicklung des Landes verhinderte,hörte die Zuckerindustrie schon gegen Ende des 16. Jahrhundertsauf, eine Exportindustrie von Belang zu sein, und ist dies auchbis zum heutigen Tage nicht wieder geworden. Obwohl das Zucker-rohr daselbst ebensogut gedieh wie in Cuba, und grössere Fa-briken von 5—7500 Meterzentner Produktion, nicht selten waren,so fand Humboldt doch die Arbeitsmethoden auf der tiefstenStufe stehend: der meiste Rohzucker, etwa 160 000 Meterzentner,wurde im Inland konsumiert, und zwar in der Form von Papelon,