Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 317
zwar Königszucker zu besitzen wünschen, seinen hohen Preis abernicht bezahlen wollen, so ist derselbe Gegenstand einer betrüge-rischen Fälschung geworden: man verreibt nämlich feuchten ge-bleichten Zucker möglichst fein, stampft ihn in kleine leicht benetzte,Formen, und trocknet ihn. Solcher Zucker bildet weisse, glatte,glänzende Hüte von 3-—7 Pfund Gewicht, hat aber keine Festig-keit, ist zerbrechlich und zerfliesslich, und eigentlich höchstensVs)—Vi sov iel wert, als wirklicher Königszucker; man kann ihnübrigens daran erkennen, dass die Brote oben an der Spitze keinLoch haben. — Um Kandis zu machen, füllt man feine, gut ein-gekochte Raffinadenmasse in alte oder schlechte Hutformen, schiebtin diese Stäbchen, Herzen, Kronen, Sterne u. dergl., hängt dieFormen in einer heissen Trockenhütte auf, stellt unter jede einenPott, und lüftet den Stöpsel der Form so weit, dass der Syrup inder Wärme ganz allmählich abtropfen kann; zuletzt zerschlägtman die Formen, und nimmt den Zucker, den man auch färbenoder aromatisieren kann, heraus.
Kap. 25. Die Melassen, Syrupe, und den Klärschaum, ver-mischt man mit Wasser, und lässt die Lösung in Kanots stehen,bis sie in Gährung übergeht, was 2—3 Tage dauert; hieraufschäumt man ab, füllt die Maische von oben in eine halbkugel-förmige Destillierblase aus Kupfer, setzt den Helm auf, treibt denAlkohol mit direktem Feuer über, und kondensiert ihn in einerlangen Zinnschlange, die in einem Wassergefässe liegt; er besitztstets einen starken, sehr aromatischen Geruch, ist höchst berauschend,und wird Taffia oder Guildive (= Kildevil, Mordteufel) genannt.
Die Kap. 26—30 besprechen Leistungsfähigkeit und Erträgnisder Zuckerfabriken. Eine mittelgrosse Anlage liefert binnen dreissigWochen, vom Dezember bis Juli, 6000 — 6500 Formen Füllmasse(also wöchentlich etwa 200, und täglich 33—35), und erzeugtetwa 1500 Zentner Rohzucker, 84 Zentner feinen Syrupzucker,800 Zentner groben Syrup- und Schaumzucker, den man unter denguten Rohzucker mengt, und 4800 Kannen Branntwein. Einesolche Plantage, z. B. die des Herrn de Varenne in Guadeloupe,war 350—400 000 Fr. wert, und gab mindestens 15°/ 0 , einmal aberauch drei Jahre hintereinander 25°/ 0 Reingewinn; um 6000—6500 Formen Füllmasse zu erhalten, baute man daselbst 40—45 Feldstücke, jedes von 100 Fuss im Quadrat, an. Zum Betriebebrauchte man 120 Sklaven und zwar 25 zum Rohr-, 6 zum Brenn-holz-Schneiden, 8 Karrenführer, 5 an der Mühle, 3 an den Öfen,6 an den Kesseln, 3 im Reinigungshaus, 1 zur Tücherwäsche,1 in der Destillerie, 2 Fassbinder, 3 Ziramerleute, 2 Schmiede,