Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte.
gesenkte Holztröge, zerkleinert sie mittelst schwerer Holzkeulen,siebt den Zucker, und stampft ihn in grosse Fässer von 6—700 PfundInhalt; die Krusten und Brocken zerkleinert man nochmals fürsich, oder mahlt sie zwischen Steinen auf kleinen Handmühlen,wobei indessen leicht Staub zwischen den Zucker gerät. Solltendie Hüte grau aussehen, so kann man sie auch fein reiben oderschaben, wozu auf 600 Formen 16 Leute mit viertägiger Arbeits-zeit erforderlich sind, und erhält so feineren, besser und weisseraussehenden Zucker. — Einen Zucker, der ebensogut, und nuretwas dunkler als der gebleichte ist, kann man nach dem Systemder englischen Kolonieen Jamaika und Barbados machen, denendas Bleichen nicht erlaubt ist, und hat dabei noch den Vorteil,dass der Zucker dann als Rohzucker gilt, und in die niedrigsteSteuerklasse fällt: man reinigt hierbei die Säfte durch sorgfältigesFiltrieren, und zwar durch wollene Tücher, füllt in hölzerne vier-seitige Formen von Pyramidengestalt aus, lässt den Syrup langeund gut abziehen, schneidet dann den Zucker in grosse Stücke,und trocknet diese an der Sonne.
Kap. 20. Der Schaum der vier ersten Kochkessel geht meistdirekt zur Destillation, der des 5. und 6. Kessels wird alle zweiTage für sich abgekocht, mit Kalk, Alaun und Lauge geklärt, mitThonerde gedeckt, und so in einen lockeren aber hellen Zuckerverwandelt. Der vom Rohzucker in die Zisterne ablaufende sog.Grünsyrup wurde früher nur auf Alkohol verarbeitet, in neuererZeit aber lehrten holländische und deutsche Zuckermeister, ihnmit viel Kalk zu klären, die eingekochte Füllmasse in Fässern15—20 Tage abziehen zu lassen, sie dann mit dicken Lagen Thon-erde zu bedecken (die den Syrup an sich zieht)*), und so einentrockenen, jedoch stets etwas brandig riechenden Rohzucker zuerhalten, welchen leider viele gewissenlose Meister sogleich demguten beimischen. Den feineren Grünsyrup, der vor dem Deckender Brote mit Thon abfliesst, klärt man mit Kalk und Lauge,und erhält meist eine zum Ausdecken geeignete Füllmasse, minde-stens aber guten Rohzucker, den man wieder mit umkocht:100 Brote geben 10 Syrupbrote, so dass man meist mit einemSude in der Woche ausreicht; bei richtigem Betriebe genügt dieserZucker, um alle Generalspesen und Unkosten der ganzen Siedereizu decken. Den beim Decken mit Thon abfliessenden Feinsyrup
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*) Diese Anwendung der Thonerde war vielleicht die ursprüngliche;die hier angeführten Thatsachen und Umstände sprechen jedenfalls nicht zugunsten der Annahme, das Decken mit Thon sei zufällig in Amerika erfundenworden.