Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 309
Schneiden lassen, als man binnen 24 Stunden verarbeiten kann, dader Saft sonst zäh und schleimig wird.
Kapitel 9—13. Die Zuckermühlen werden durch Tiere, durchWasser, oder durch den Wind getrieben, und bestehen stets ausdrei Cylindem, zwischen denen das Zuckerrohr zweimal ausgepresstwird (sizilisches Trappeto). Die Windmühlen portugiesischenSystemes haben horizontale, die sonst Üblichen vertikal gelagerteFlügel (Abbildung S. 64, (58, 112). Die drei Walzen sind ausGusseisen, und enthalten einen möglichst dicht eingepassten höl-zernen Kern; die Zwischenräume werden mit Pech ausgegossen.Jede Walze trägt oben einen Zahnkranz, dessen Zähne aus hartemHolze geschnitten und einzeln in Zapfenlöcher eingesetzt sind, undgreift mittelst desselben in das Hauptgetriebe, oder in den Zahn-kranz der Nachbarwalze ein. Das, in 3 — 4 Fuss lange Stückezerschnittene Rohr schiebt man zwischen der ersten und zweitenWalze durch, und dann in entgegengesetzter Richtung zwischender zweiten and dritten wieder zurück; zum Schutze der Arbeiter,die unrettbar verloren sind, wenn sie zwischen die Walzen geraten *),sind breite Werkbretter angebracht, ausserdem hängen an jederWalze einige bestens geschärfte Sicheln, da manchmal durchrasches Abhacken eines Armes oder Fusses noch Hilfe möglichist. Der Saft fliesst an den Walzen herab, gelangt durch rundeAusschnitte im Fussboden unter diesen, sammelt sich in einerRinne, und fliesst seitwärts ab; alle 12 Stunden muss man an-halten und die ganze Mühle sorgfältig reinigen, da sonst Säuerungeintritt. Zur Bedienung der Mühle gehören fünf Leute, von deneneiner zuträgt, einer einschiebt, einer zurückschiebt und zwei ab-und aufladen; sie haben wochenweise abwechselnd 18 und 6 StundenDienst, welcher anstrengender, als der in Eisen- oder Glashüttenist, so dass man .sich genötigt sieht, die Leute während der ganzenNacht rauchen und laut singen zu lassen; Pferde können in derMühle höchstens zwei Stunden lang arbeiten, Ochsen nicht ein-mal so lange. In der Regel stehen die drei Walzen vertikalnebeneinander; es giebt aber auch Mühlen mit horizontalen Walzenund Antrieb durch ein Wasserrad (Abbildung S. 120), stehendeWassermühlen, die, ebenso wie die vorigen, stets durch von obenauffallendes Wasser, nje durch Schaufelräder unter Benutzung desnatürlichen Gefälles, getrieben werden (Abbildung S. 126), endlichauch Kollermtihlen des alten portugiesischen Systems, bei denen
*) Auf den englischen Inseln pflegte man zum Tode verurteilte Negeroder Indianer zwischen die Rohrwalzen zu werfen (S. 100).