Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
305
Einzelbild herunterladen
 

Die Zuckerfabrikaticm Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 306

weise getroffen; binnen sechszig Tagen waren über 2000 Weisse er-mordet, 1130 Zucker- rmd andere Plantagen zerstört und verbrannt,das ganze Land verwüstet, und der Wohlstand der Kolonie derartigvernichtet, dass sich dieselbe nie mehr auch nur zum Schattenihrer ehemaligen Grösse wieder erheben konnte (Handelmanna. a. O. 46). Die durch den plötzlichen Ausfall der wichtigstenund grössten Zuckerproduktion des Weltmarktes entstandeneLücke wurde durch die, nunmehr von der Konkurrenz des gefähr-lichsten Wettbewerbers befreite Industrie anderer Staaten aus-gefüllt, unter denen wesentlich Brasilien, Jamaika, und Cuba zunennen sind.

Jamaika hatte 1722 77 056 Meterzentner, 1744 246 000 Meter-zentner, 1768 390327 Meterzentner und 1788 420000 MeterzentnerZucker produziert, und zwar, da den englischen Kolonieen dasRaffinieren verboten war, ausschliesslich Rohzucker, den man durchsorgfältige Darstellung und anhaltendes Trocknen an der Sonne,in grossen Stücken (Klumps, — daher Lumpen, Lompen, Lomps-zucker) von vorzüglicher Beschaffenheit und Haltbarkeit zu gewinnenverstand (Humboldt, „Cuba"; „Nouv. Esp." III, 184; „Reisen" II,306). Nach der Verwüstung Domingos beeilte man sich, eineMenge neuer Mühlen in Betrieb zu setzen, so dass 1793 schonüber 700 derselben arbeiteten, und die Erzeugung der Insel sichbinnen anderthalb Jahrzehnten auf fast das Doppelte der früherenhob (Beer II, 365 ff.; Moseley a. a. O.). Als mittlere Gesammt-erzeugung der englischen Kolonieen in Westindien wird angegeben(Humboldt, „Cuba" II, 40 ff): für die Jahre 1698 — 1712:200000 Meterzentner, für 1727 — 1733: 500000 Meterzentner,für 1761—1765: 742687 Meterzentner, für 1771 — 1775: 916667Meterzentner,fürl781 —1785: 789 769Meterzentner,für 1791—1795:1010662 Meterzentner, für 1801 — 1806: 1694867 Meterzentner;an dieser riesigen Zunahme der Produktion hatte Jamaika denHauptanteil, und lieferte während der angegebenen Perioden nichtselten allein fast die Hälfte des sämmtlichen in England eingeführtenRohzuckers.

Die Insel Cuba hatte unter dem Monopol- und Aussaugungs-System der spanischen Verwaltung, welche vielfach sogar den An-bau des Zuckerrohres , gesetzlich untersagte (Weber, „Welt-geschichte" II, 568), keinerlei Fortschritte gemacht, ihre Industriewar allmählich zu Grunde gegangen, und noch 1750 lieferte siekeine anderen Rohprodukte als Häute, Leder, und Wachs (Hum-boldt, „Cuba" I, 189). Erst als um diese Zeit der Handel derKolonieen untereinander und mit dem Mutterlande, durch mehrere

Lippmann, Geschichte des Zuckers. 20

■