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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Elfter Abschnitt,

geringen Nutzen daraus, dass Brasilien während der zweiten Hälftedes 17. Jahrhunderts noch den weitaus grössten Anteil an derVersorgung der europäischen Märkte mit Zucker besass; bestimmteAngaben über die Grösse desselben liegen nicht vor (ebd. II, 100),doch wird allein die, gegen 1700, jährlich durch die Schiffe derenglischen Zwischenhändler nach Lissabon gebrachte Menge Zucker,auf wenigstens 300000 Zentner geschätzt. Durch dieses Vor-wiegen des Zuckerrohrbaues wurde die ganze VolksgliederungBrasiliens, die ganze Gestaltung aller seiner Verhältnisse, auf Jahr-hunderte hinaus unauslöschlich bestimmt: wenigen reichen Gross-grundbesitzern stand die ganze Masse der freien Bevölkerung, unddie der Sklaven, als rechtlose, vollständig abhängige Menge gegen-über. „Das Zuckerrohr," sagt ein um 1700 lebender Schrift-steller, „ist eine aristokratische Pflanze, denn es macbt den Besitzeines grossen Anlagekapitals, eines weiten Landgebietes, und vielerArbeitskraft erforderlich. Der Besitz einer Zuckerplantage mitMühle (engenho) und Siederei, giebt eine Art Adel unter denPflanzern, man spricht nur mit Achtung von einem „Senhord'engenho", und dies zu werden ist das Ziel des Ehrgeizes Aller.Wenn der, welcher einen solchen Rang einnimmt, das ist, was ersein soll, — ein reicher Mann, der sich zu betragen weiss, — sokann man in Brasilien jenen Titel ebenso hoch anschlagen, alsden unter den Vornehmen des Königreiches (Portugal) gebräuch-lichen Adelstitel." Männer solcher Art waren indessen selteneAusnahmen, und das selbstsüchtige, vor den ärgsten Gewaltthatennicht zurückscheuende Vorgehen der meisten Plantagenbesitzer,wurde nur noch durch die unglaubliche Misswirtschaft der portu-giesischen Beamten übertroffen, so dass in Lissabon das Witzwortsprichwörtlich war, die brasilische Flotte bringe alljährlich „maisde queixas que de caixas" d. i. „mehr Klagen als Kisten"(Handelmann 513, 340ff., 419). Trotzdem beherrschte Brasiliennoch zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Zuckermärkte Europas,und wurde in dieser Stellung erst erschüttert, als, neben verschie-denen äusseren Ursachen, auch eine innere Veranlassung die Be-völkerung dem Zuckerrohrbau abwendig machte: die um 1725erfolgte Auffindung der Goldgruben (Handelmann 553). Einwahres Fieber befiel das ganze Land, Arm und Reich wandte sichden Minen zu, Freie und Sklaven waren weder durch Drohungennoch durch Strafen zurückzuhalten, und binnen kurzem standenzahlreiche Plantagen verlassen, und gerieten aus Mangel an Arbeits-kraft in Verfall. Die gesetzlichen Massregeln der portugiesischenRegierung blieben wirkungslos, und die Zuckerproduktion, obwohl