Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 297
den im Rohre befindlichen Saft, und durch Kunst und Arbeit wirdderselbe mit vieler Mühe gewonnen. Die Rohre, welche feuchtenBoden, viel Sonnenwärme und sorgfältige Pflege betreff der Be-seitigung alles Unkrautes erfordern (da sie sonst weniger undunreineren Zucker ergeben), werden, sobald sie reif und vonsaftigem schwammigem Marke erfüllt sind, geerntet, entlaubt, zer-schnitten, und in Mühlen*) ausgepresst; der Saft wird eingedickt,abgeschäumt, in Formen von kegel- oder pyramidenförmiger Ge-stalt gefüllt, und erkalten gelassen, wobei er wie Salz krystalli-siert. Nach einigen Tagen öffnet man die Spitzen der Brote,lässt die schmierige und schleimige Materie unten abfliessen, bringtdann auf die Oberfläche der Form Thon, und befeuchtet diesenwiederholt, wobei das Wasser durchsickert, und den Zucker vomSchleim befreit und bleicht. Dies ist aber nur der erste Teil derArbeit; besseren und reineren Zucker erhält man nur mit Aufwandvieler neuer Mühe, indem man den rohen Zucker wieder auflöst,mit Kalkmilch und Eiweiss klärt, abschäumt, unter Zusatz vonetwas Butter (die das Überkochen verhindert) eindickt, durch Tücherfiltriert, fertig kocht, in Formen giesst, und wieder mit feinerThonerde deckt, wobei mau. je nach dem Verfahren, schliesslichfesten, harten, oder nur losen weichen Zucker erhält* (ebd. 216,120ff.).
Innerhalb der von den Holländern eroberten Provinzen warenvor deren Einrücken 166 Mühlen in Gang, welche grosse, jedochnach Boden und Klima sehr verschiedene Erträge an Zuckerlieferten. Die ganze Zuckerernte betrug etwa 1 Million Arroben(ca. 250000 Zentner) jährlich, wozu noch etwa 300 000 Arrobendes geringsten, sog. Pamelzucker kamen. Der Zuckerzehnte,welcher distriktweise verpachtet war, brachte, abgesehen vom Pamel-zucker, der steuerfrei blieb. 309400 Gulden ein; nur portugiesischeSchiffe durften Zucker nach Europa verladen, und als Tausch-gegenstände für den Zucker, an welchem jährlich ein Gewinn vonmehreren Millionen erzielt wurde, brachten im Frühjahr und Herbstan 300 Galeonen und Caravellen, Wein, Mehl, Öl, Salzfische, Lein-wand, und Metallwaaren, aus dem Mutterlande (ebd. 207, 170,534). Durch sinnloses Zerstören seitens der Holländer, und infolgeder Wirrnisse des Krieges, war die Zahl der Zuckermühlen in denJahren 1620—1635 von 166 auf 120 gesunken, darunter allein
*) 8. 120 enthalt die sehr instruktive Abbildung einer Dreiwalzen-Mühle mit ihren Nebengebäuden; der Antrieb erfolgt durch ein oberschläch-
tiges Wasserrad mit Zahnradübersetz.ung.