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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Elfter Abschnitt.

haltenen, und den alten Deckmethoden weit überlegenen Mittels,den aus arabischer Schule hervorgegangenen Zuckermeistern dieHerstellung der dortigen, von allen Seiten als unübertrefflich an-erkannten Brotwaare, ermöglicht haben mag. Mangels genügen-der Quellen liisst sich indessen die Wahrscheinlichkeit dieser Ver-mutung vorerst nicht weiter prüfen; sicher ist, dass in Ostindiendas Decken mit Thon erst im 17. und 18. Jahrhundert bekanntwurde, und zwar durch europäische Vermittlung (Reed 95).

Eine Ergänzung zu den Angaben des Piso bilden die desBarläus in seiner Schrift „Rerum per octennium in Brasilia etalibi gestarum historia" (Cleve 1660). Es heisst darin: „Brasilienist das Haupterzeugungsland für Zucker, den die Natur in gewissenRohren hervorbringt, welche, wie so viele andere Gewächse, derFleiss der Portugiesen in dieses Land verpflanzt hat; ans diesenRohren presst man einen Saft aus, der an Süsse und Wohlge-schmack den attischen Honig weit übertrifft, kocht ihn in Metall-kesseln ein, und gewinnt ihn entweder durch Abpressen des fettenSyrups, als zerreibliche Masse, oder durch Eingiessen in Formen,in Gestalt von Kegeln oder Pyramiden.*) Man führt diese Kunstin Anstalten aus, welche die Portugiesen „Ingenia" nannten, weildieselben durch ihre Bauten und Maschinen einen Beweis für dasIngenium ihres Erfinders liefern, und überhaupt zu den besten derneueren Erfindungen aus den letzten Jahrhunderten gehören. Ausder Arbeit der dort beschäftigten Indianer und Schwarzen ziehendie industriellen Kaufleute den allergrössten Nutzen, indem sie denjährlich erzeugten Zucker schiffsladungsweise nach ganz Europafür teures Geld verkaufen. An nichts kann man nämlich besserund leichter Geld verdienen als an Zucker; deshalb war die Han-delskrise, die zur Zeit unserer (holländischen) Eroberungen aus-brach, in keiner Hinsicht so gefährlich, wie gerade für den Zucker-handel, denn infolge der Störungen im Handel und der Unsicherheitdes Geschäftes, sank der Zuckerpreis immer tiefer, und gereichteallen Mühlenbesitzern zum Verderben: sie mussten ihre Maschinenverkaufen um mit dem Kaufgelde ihre Schulden zu bezahlen, undgerieten dadurch in grosses Unglück, denn die Maschinen, die imBetriebe 100000 Gulden wert waren, erbrachten beim Verkaufekeine 40000" (S. 34, 539, 541, 545). „Bei der Fabrikation desZuckers wirken Natur, Kunst, und Arbeit, in seltener Weise zu-sammen: die Natur bereitet den Boden, sowie durch das Klima

*) Die pyramidalen Formen wurden aus passend zureclitgeschnittenenBrettern zusammengesetzt.