Dio Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und 18. Jahrhunderte. 295
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rasch zu Zucker ein. Den Schaum schlügt mau mit Ol nieder,muss sich aher hüten, Lauge oder gar Säure zuzusetzen, denn esgenügt z. B. schon eine Spur Zitronensaft, um den Zucker schlechtund unkrystallisierbar zu machen.*) Den fertigen Zucker schöpftman in Thonformen, und setzt diese im „Reinigungshause" (casado purgar) auf Töpfe; den Syrup treibt man durch Decken mitTbonbrei aus, trennt, nach dem Ausschlagen des Zuckers aus derForm, das obere Weisse vom unteren Braunen, trocknet letzteres,das Mascovädo heisst, in der Sonne, und packt es in Kisten. Aussolchem Zucker, aus eingedicktem und auch aus rohem Safte,macht man „Garäpa" oder „Guaräpo", ein sehr beliebtes kühlen-des Getränk" (s. hierüber auch Markgraf, „De Brasiliae regioneet indigenis"; Amsterd. 1658, 18).
Das hier zum erstenmale erwähnte Decken des Zuckers mittelstThon oder feiner Erde, soll, nach Sloane durch Zufall in Bra-silien entdeckt worden, und bei den Spaniern und Portugiesenzuerst in Gebrauch gestanden sein (Reed 11 und 91); als Zeit-punktwird 1550 angegeben (Poppe, „Geschichte der Technologie?1-18 ff.). Die Richtigkeit dieser Erzählung ist indes fraglich, dennnicht nur kennen bereits Dioskorides, Galenus und die Araberdas Klären von Wein, Obstsaft, Rosenwasser und anderen Flüseigrkeiten mit Thonerde (Ibn-al-Awäm II, 391; Ibn-Beithai-.II,473), sowie „den reinigenden und verteilenden Einfluss, welchenzahlreiche Erdarten ausüben, wenn man sie, mit Ölen oder andereinFlüssigkeiten getränkt, auflegt" (Ibn-Beithar II, 169ff.), sonderndie sogenannte Walkererde, welche mit allen Eigenschaften der„Zuckererde" beschrieben wird, war auch schon seit Jahrhundertenzum Reinigen von Fett, Leim, Wachs u. dergl., im Gebrauche(Beckmann, „Technologie" 60), die ..Zuckererde-' wurde nichtnur in europäischen Ländern, sondern auch in den amerikanischenKolonien Frankreichs, bis ins 18. Jahrhundert hinein aus Frank-reich geholt (ebd. 388; Poppe a. a. 0.), und Willoughby,welcher 1664 die Zuckerbereitung bei Valencia beschreibt, erwähntdas Decken mit der Thonerde aus dem nahen Orte Olives, alsetwas dort längst Übliches (Moseley, a. a. 0.). Es ist dahersehr wohl möglich, dass dieser Kunstgriff zwar zuerst den Spaniernund Portugiesen bekannt wurde, dass er aber aus den spanischenRaffinerien stammt, "und zwar vielleicht gerade aus Valencia, wodie Anwendung eines solchen, jedenfalls sorgfältig geheim ge-
i *) Böswillige Arbeiter pflegten nicht selten durch Zusatz von Zitronen-
saft den Zucker absichtlich zu verderben (Reed 54).