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Elfter Abschnitt.
Brasiliens ist das Zuckerrohr, welches die Portugiesen, bald nachder Entdeckung des Landes, aus Kanaria dorthin brachten, da siedas Klima für sehr geeignet hielten; ihre Mühlen, durch Wasser-kraft oder durch Ochsen umgetrieben, erzeugten bald eine Mengedes besten Zuckers, der mit sicherem und grossem Gewinne nachEuropa gebracht, und dort verkauft wurde. In Ägypten soll manden Zucker aus einer kleinen niedrigen Pflanze, nur durch dieSonnenwärme, in Krystallen gewinnen, in Indien fliesst aus einemmächtigen baumhohen, einer Pappel ähnlichen Schilfe ein weisserschleimiger milchiger Saft aus, welcher zu Bambusstein oder Taba-schir gesteht, und in der Provinz Rio de la Plata soll ebenfallsein baumhohes Rohr wachsen, und Zucker in Krystallen aus-schwitzen; mit solchen Rohren stimmt das brasilianische Zucker-rohr nicht überein, denn es ist nicht grösser als ein Obstbaum,sieht dem gemeinen Schilfrohr ähnlich, und ist bloss von einemsüssen Safte erfüllt. Es verlangt guten fruchtbaren Boden, vielWärme und Feuchtigkeit, wird im August und Januar gepflanzt,und nach 10 —12 Monaten geerntet; anfangs, bevor es recht auf-geschossen ist, muss man es vor Unkräutern und vor gewissensehr schädlichen Insekten hüten. Sobald es reif ist, wird es ab-geschnitten, entlaubt, in Stücke zerteilt, und bündelweise zur Mühlegefahren. Diese besteht aus drei neben einander stehenden Walzen,welche man entweder mit Wasser antreibt, das man in langenKanälen herbeiführt und auf die Räder stürzen lässt, oder mit6—8 starken Ochsen*): Letztere arbeiten langsamer, aber gründ-licher und besser. Eine Tareffa Land, zwanzig Schritt im Qua-drat, giebt genug Zuckerrohr für ein Tagewerk; das zweimal ge-presste Rohr, welches Bagasse heisst, dient als Heizmittel, abernebenher braucht man noch, je nach der Stärke des Saftes, täglich15—40 Wagenladungen Holz, und rottet so ganze Wälder aus.Gearbeitet wird Tag und Nacht, doch muss man alle zwölf Stundensorgfältig reinigen; der Saft fliesst durch Holzrinnen in einen Metall-kessel, wird aufgekocht, und vom Schaum (cagassa), der ein gutesViehfutter giebt, durch Abschöpfen befreit. Sodann füllt manden Saft in einen zweiten Kessel über, schäumt mit einem grossen,vielfach gelochten Schöpflöffel ab, versetzt zuweilen mit Lauge(Kalk- oder Ätz-Lauge, s. S. 649), filtriert durch Tücher, undkocht unter stetem heftigen Umrühren und Umschöpfen, in kleinenKesseln, erst zu Syrup, und dann auf starkem Feuer möglichst
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*) Piso's, „De Indiae utriusque re naturali et mediea" (Amst. 1658)enthält S. 108 die Abbildung einer solchen Ochsenmühle.