ELFTER ABSCHNITT.
Die Zuckerfabrikation Amerikas im 17. und18. Jahrhunderte.
Die Massregeln Philipp II. gegen den Handel der Holländermit Lissabon, hatten nicht nur, wie bereits oben erwähnt, dengänzlichen Verlust des holländischen Absatzgebietes, die Entwicklungdes direkten Handels zwischen Holland und Indien, und die Er-oberung fast sämmtlicher ostindischer Besitzungen durch Hollandzur Folge, sondern verwickelten auch die aufblühenden brasilischenKolonien, welche der König nach der Annection Portugals (1581)gleichfalls für Spanien in Beschlag genommen hatte, in langwierige,deren Gedeihen in hohem Grade schädigende Kämpfe mit jenenFeinden. Obwohl diese Kriege schon 1587 begannen, so trat dochernstliche Gefahr erst 1621 ein, als die neugestiftete holländisch-westindische Kompagnie von Staatswegen zur Bekämpfung des mitSpanien vereinigten Portugals in ganz Amerika und Afrika er-mächtigt wurde (Handelmann 150), und als 1635 der General-statthalter Graf Moritz von Nassau, den systematischen Er-oberungskrieg einleitete. Die Thaten dieses ebenso kühnen Kriegers,wie weisen Verwalters, gehören jedenfalls zu den denkwürdigstender neueren Geschichte, und erregten mit Recht die allgemeineBewunderung der Zeitgenossen; das historische Prachtwerk desCaspar Barläus (1647), die naturwissenschaftlichen Beschrei-bungen des Piso und Markgraf (1648), sowie das Heldengedicht„Mauritias" von Franziskus Plante (Leyden 1647), legen hier-für allseitig Zeugnis ab.
Der Krieg begann mit der Verwüstung der wichtigsten por-tugiesischen Provinzen'(Handelmann 185), und mit der Schwächungihres Haupterwerbszweiges, der Zuckerproduktion. GuilelmusPiso, der als Begleiter des Moritz von Nassau in Brasilienwar, sagt über diese, in seinem „Tractatus de aeribus, aquis, etlocis Brasiliae" (Cleve 1660, 639ff.): „Das wichtigste Erzeugnis