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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zelmter Abschnitt.

„Zuckerpenid ist ein gemachter Zucker, aus Hutzucker, Tho-masinzucker oder Cassaunzucker. Man löst solchen, klärt mitEiweiss, schäumt ab, bis kein Schaum mehr steigt, seiht durch einWollentuch, und kocht am Feuer, bis grosse Blasen aufsteigen.Mit einem Holzstückchen zieht man Proben, und wie solche inkaltem Wasser erhärten, giesst man den gekochten Zucker aufeinen Marmelstein, der ist wohl mit Mandelöl bestrichen, und knetetum und durch, bis es nicht mehr fiiesst; so hängt man die Masseauf einen grossen krummen Haken, zieht um und schlägt um, ambesten zu zwei Mann, und je mehr gearbeitet und gezogen wird,desto schöner und weisser wird der Zucker; wie er hart wird underkaltet, zieht man ihn in fingerlange Stücke, dreht solche, lässtsie gut auskühlen, und erhält so einen Zucker, steinhart undspringend wie Glas, der aber mit der Zeit mürbe wird und zer-reiblich, und heisst Saccharum Penidium oder turbinatum. Solchenkannten die Alten nicht, Andreas Bellunensis und MatthäusSylvaticus beschreiben ihn zuerst, aus den arabischen Quellen;er ist massig erwärmend, mildernd und erweichend, unübertrefflichgegen Krankheit von Brust und Hals, und als Diapenidion, d. i.Penidzuckertäflein, ist er für sich, und in Wasser gelöst, ein inallen Apotheken bereitetes Konfekt von stark lösender und mil-dernder Kraft."

Tabernämontanus erwähnt auch Zucker als Zusatz bei derBierbereitung (I, 637), ferner die Gewinnung von Weingeist undEssig aus Zucker (IL 1284), die Darstellung von Zuckermeth undZuckeressig (II, 1526), und die Anfertigung von Marzipan „ausZucker, Mandeln, Zimmt, Rosenwasser, nebst gestossenen Perlenund Edelgestein, zur Herzstärkung"*) (II, 1412). Als abgesagterFeind der Apotheker, bekämpft er an vielen Stellen seines Werkesderen zahlreiche Mischungen und abergläubische Mittel, „alswelche das gemeine Volk alitag, und der Reiche, wo Not an Mann,und ihm kein Arzt kann helfen, sich lässt aufbetrügen, und giebtdafür vielen Geld's genug." Als wirklich heilsam und unentbehr-lich bezeichnet Tabernämontanus jedoch folgende Pflanzen, vondenen Syrupe und Konfekte, Konservenzucker und Kanditen,Tränke und Methe, jeder Apotheker bereiten und führen solle;Aekeley, Alant, Angelika, Anis, Beifuss, Betonien, Borretsch**),Coriander, Dill, Erdbeeren, Erdrauch, Fenchel, Garbenkraut,

*) Dieser Ausdruck ist wörtlich zu nehmen.**) „Saft von Borrago mit Gold, oder Hirschhornpulver, und Zuckervermischt, ist gut für die so fast ohnmächtig sind" sagt auch Lonicerusim , Kräuterbuch" (Frankfurt 1582).