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Zehnter Abschnitt.
diesem Zucker kleine Hüte in blau Papier, und weil die gemeineKundschaft diesen für den besten hält, giebt es grossen Betrug;man refiniert den schlechten Thomaszucker mit viel Lauge, mischtden weissen Zucker, damit er recht weiss sei, mit viel Stärkemehl,und giesst oder auch stampft in kleine Formen; es wird aber nierecht trocken und gehörig von Härte. 4. Saccharum Maltanum,Melisium oder Melitense, d. i. Malta- oder Melis-Zucker*), ist demCanarizucker ähnlich, aber grauer, fest und hart, und dient alsgemeiner Speiszucker. 5. Saccharum Thomäum oder Thomasinum,bei den Apothekern auch Saccharum rubrum sive Solimennum, istein liederlicher Zucker, weich, braun, aber sehr süss. 6. Saccharummiscellaneum, d. i. Farinzucker, Cassaunzucker, das sind Brockenaller Zuckersorten, in Kisten oder Fässer gepackt, dient als Speis-zucker und für Syrupe. 7. Mel saccharinum, Zuckerhonig, Syrup,oder Melass, wird bereitet aus dem beim Zuckersieden gesammeltenSchaum, ist weich und dünn, wird in Tonnen gebracht und wohl-feil verkauft, wohlfeiler als Honig."
„Es ist aber heutigen Tages kein Ding gemeiner und bräuch-licher in grossen Herrenküchen, denn der Zucker, und das nichtallein bei uns Deutschen, sondern auch in allen anderen Nationen;fast alle Speisen und Trachten müssen damit abbereitet werden,denn er macht die scharfen Speisen milder, die sauren lieblich, dieversalzenen anmutig, die rauhen groben und herben, gut fein undwohlschmeckend, und ist in Summa ein Dämmer und Meister allerGeschmäcke. In den Apotheken kann man den Zucker noch vielweniger entbehren denn in der Küchen, denn man macht darausLatwergen, Syrup, Julep, süss Getränk, Ciaret, Hippokras, Kon-servenzucker, Kanditen, eingemachte Frucht' und Wurzeln, Saft',Konfekt, Täflein, Marzipan, Zeltlein, Biscoct, Zuckerbrodt und dergl.Ja, und was für ein grosser Zucker gehet auf, daraus allerhandBilder der Tiere, Vögel, Frucht', Fisch' gemacht werden, ja auchHammels-Büg' und -Schlägel, Tauben, Gans', Antvögel, Hühner,allerlei Fleischwerk, Kalbsfüss' und Kalbsköpf formieret sind, die
*) Dies ist die Quelle der noch heute üblichen Bezeichnung „Melis" fürweissen Zucker geringerer Qualität; die vielfach vorkommende Behauptung,dieser Name rühre von der ostindischen Insel Meli her (z. B. Rohr-Pre,„Dissertatio de arundine saccharina", Erfurt 1719), ist unbedingt falsch.Eine solche Insel findet sich übrigens in vielen vorzüglichen Kartenwerkengar nicht vor, und steht auch nicht im Namenregister des Andree'schenAtlanten. — Zu erwähnen ist, dass eine sehr geschätzte, auf Malta vor-kommende Erde gleichfalls Terra melitensia hiess (Peters II, 140). Auchheisst der „Fungus melitensis" der alten Pharmacie noch jetzt in Süditalienallgemein „Pungo di Malta" (Flückigor).