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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zehnter Abschnitt.

von Zuckersorten, denen die verschiedensten medizinischen Wir-kungen zugeschrieben wurden. Die Braunschweiger Ratsapothekehatte z. B., schon bald nach 1500, Hut-, Mehl-, Kandis-, undPenid - Zucker , ferner „ Sal indum" (einen grobkrystallinischenZucker)*), und zahlreiche Syrupe vorrätig (Flückiger, „Pharma-zeutische Chemie" 1888; II, 258). In Meissen gab 1518 HerzogGeorg von Sachsen der Apotheke ein Privilegium, „für alleswas man in Apotheken führt und macht, als Zuckerkand, Hut-zucker, Gewürzzucker und Syrupe", weshalb man 1569, als zehnGewürzkrämer konzessioniert wurden, diesen ausdrücklich verbot:„Konfekte, überzogene Mandeln, zuckerkandierte Sachen, Marzipan,Morsellen, oder weisse und rote Küchlein zu machen, als wasalleinig denen Apothekern zusteht" („Mitteilungen des Vereins fürGeschichte der Stadt Meissen" 1888, 189). Die, von Adolf Occo1564 verfasste, erste Augsburger Pharmakopoe, enthält ebenfallszahlreiche Konserven und Syrupe mit Zucker, verzuckerte Früchte,und an kandierten Samen: Mohn, Kümmel, Anis, Koriander, Fen-chel, Eruca, Majoran und Wurmsamen (Phillippe 430); desValerius Cordus Nürnberger Pharmakopoe von 1546 behandeltin fünf Kapiteln Konfekte, Konserven, Syrupe, Lecksäfte undKüchelchen (Peters I, 139); auch der „Catalogus oder Registeraller apothekischer Simplicien und Kompositen" von Frankfurt,1582, führt eine grosse Reihe gebräuchlicher Zuckersorten an,z. B. Saccharum Canariense, Madeirense, Melitense, Thomasinum,Saccharum candis album, Saccharum candum sive crystallinum,Tabarzeth, Penidium, Saccharum farinaceum, und Saccharum mis-cellaneum, d. i. Mehl- und Abfall-Zucker (Flückiger, „Doku-mente"). Dem Penidzucker, der häufig auch „gedrehter Zucker*oder „Saccharum turbinatum" genannt wird, pflegte man Stärkemehlund Mandelöl, wohl auch, um ihn dauernd amorph zu bewahren,etwas Weinstein zuzusetzen; er diente als Spezifikum gegen Hals-krankheiten, und wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein, von allenApothekern bereitet und geführt. Auf ihn bezieht sich auch jeden-falls eine Stelle im 40. Briefe der „Epistolae virorum obscurorum",— jenes 1515 unter Ulrich v. Hutten's, und namentlich unterdes Crotus Rubianus Mitwirkung verfassten satirischen Werkes,welches durch die Verspottung der scholastisch-theologischen Sipp-schaft, mit ihrer Unwissenheit, ihrem gelehrten Unsinn, und ihrerSittenlosigkeit, „europäischen Erfolg und welthistorische Bedeutung

*) Dieser Name findet sich auch 1536 in Brunfels, „Reformatio derApotheken", und noch 1700 in der Wolfenbüttler Arzneitaxe (Flückiger,„Dokumente").