D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 243
heit durch zu vieles Essen von Zucker selbst verschuldet (Volza. a. 0.).
Bei den deutschen Dichtern und Schriftstellern des 14. und15. Jahrhunderts findet sich der Zucker oft erwähnt (s. Lexer,und Benecke-Müller-Zarncke a. a. 0.), so heisst es: „Christ,des Name ist zuckermässig", „Maria, Zuckerstaude, in der der Saftist aller Süssigkeit", in „Goldschmiede"; „Maria, süsse Zucker-scheibe, Zuckerstücke, von Zuckergeschmack", im „Mariengruss";„Maria, du Zuckergarten, du blühende ßos' in Zuckers Tau", beiSuchenwirt; „wer nach Gott gedenkt und trachtet, der ist zucker-süss". Demantin von Berthold enthält die Stellen: „Die Magd,der zuckermässig ist ihr Leib", und „die den Zucker von der Minneträgt"; das Altprager Stadtrecht: „Zuckermehl gehört ins Herren-haus"; die Erzählung „Amicus und Albanus": „Jed' siebent Wortwar schön und gut, — Und süsser als ein Zuckerhut"; die Kol-marer Handschrift der Meisterlieder: „ihr zuckersüsser Mund", und„ein Weib von zuckersüssen Balsams Geschmack". Bei 0 s w a 1 d v o nWolkenstein findet sich „Zuckerspeise", bei Johann von Würz-burg „dein zuckersüsser Kuss", bei Heinrich von Neuenstadt„Ihr zuckersüsses Mündelein, Brach mir in das Herze mein", und„dein zuckersüsser Leib hat verdient, dass die Weiber deinen Namenehren". Auch „Zucker, da Hung (Honig, Syrup) in ist" wird er-wähnt, ebenso einige Male Zuckerviolät, von dem z. B. der Fabel-dichter Boner (um 1330) sagt: „Zuckervioläts sollst du dichwarnen: das erkühlet dich"; in einem Fastnachtsspiele des 15. Jahr-hunderts kommt auch Zucker-Mus vor: „so ess' ich Zuckermusfür Haferbrei."*)
Die „Gesta llomanorum" (ed. Oesterley, Berl. 1872), einezu Anfang des 14. Jahrhunderts zusammengestellte Sammlung vonFabeln, Anekdoten und Erzählungen, welche als Vermittlerin ge-wisser weitverbreiteter Sagenstoffe, von unberechenbarer Bedeutungfür die gesamte europäische Litteraturentwicklung geworden ist,nennt den Zucker nicht, und auch den Honig nur einmal, in derParabel des Johannes Damascenus, welche Rückert's be-kanntem Gedichte „Es ging ein Mann im Syrerland" zu Grundeliegt; diese Erzählung, von der (S. 739) 31 Versionen angegeben
*) Vermutlich aus dorn 15. Jahrhunderte stammt auch eine Weihnachts-hymne, in der es heisst:
„Lasst uns ein Four'lein stechen, — Dem Kind ein Müsloin kochen,„Des Zuckers nicht vergessen, — Er wird mit Lüsten essen."
(Simrock, „Deutsche Weinachtslieder", Lpzg. 1859, 109).
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