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D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 239
Wien und Wiener-Neustadt, standen in lebhaftem Verkehre mitVenedig, und bezogen von dort den grössten Teil ihrer orienta-lischen Waaren (ebd. II, 71, 72, 80, 49). Während des ganzen14. und 15. Jahrhunderts galt Venedig als Haupthandelsplatz derWelt, und war „die hohe Schule der süddeutschen Kaufleute",die sich schon 1308 dort „zur Erlernung der Handlung" aufhielten(ebd. II, 39). Die Blüte der oberdeutschen Städte beruhte alleinauf diesem Verkehre, welcher, nach Hellwald („Die Kultur-geschichte in ihrer natürlichen Entwicklung", Augsbg. 1877; II,315) „zur Kulturentwicklung der deutschen Nation ungleich mehrbeigetragen hat, als die Handelsthätigkeit und die merkantilen Be-ziehungen der Hansa"; in der That lässt es sich bezüglich derHansa (nach Grimm = Schar, Gesellschaft) nicht verkennen,dass nur der Mangel an zentraler Reichsgewalt, die Städte zurSelbsthilfe greifen, und sie iu ihrer Verbindung mächtig undkräftig werden liess, dass aber, infolge desselben Mangels, auchdie grossartigen Erfolge dieses Bundes allmählich verfallen, unddie Beeinflussungen der nördlichen Gebiete durch deutsche Kulturund Sitte, schwinden mussten (Beer I, 242ff.; I, 277).
Auch Venedig erkannte den Wert und die hohe Bedeutungdes deutschen Verkehres wohl, und nannte den Fondaco deitedeschi „das beste Glied der Stadt"; an genauen statistischenDaten über dessen Umsatz fehlt es leider, doch schätzte Moro-sini (1472) diesen auf mindestens eine Million Dukaten im Jahre,der Pilgerfahrer Fabri aus Ulm bezifferte die im Fondaco er-legten Ausfuhrzölle allein auf jährlich 20000 Dukaten, und Harff(1497) giebt an, dass schon die Gebühren desselben der Stadttäglich an 100 Dukaten eintrügen (Simonsfeld II, 37 und 38).Zu den Hauptgegenständen des Handels zählten Gewürze, namentlichPfeffer und Zucker; Zucker, verzuckerte und eingemachte Früchtealler Art, grosse Schachteln mit Konfekt, Zitronat, u. dgl., werdenhäufig als Ausfuhrartikel genannt (ebd. II, 103, 104, 106, 198).Unter den Akten von 1327 findet sich einer über die Rückgabebeschlagnahmter Spezereien, darunter „cucarum", an deutsche Kauf-leute (ebd. I, 25); 1392 wird dem Wilhelm Mendel aus Nürn-berg zollfreier Umtausch vielen, in die Piave gefallenen und be-schädigten Zuckers („multi cuchari guasti") bewilligt (ebd. I, 131),und 1421 wird festgesetzt, dass die Ballenbinder im Fondaco,für die Verpackung jedes Fasses Krystallzucker (polvere di zucharo)den festen Satz von zwei Soldi erhalten sollen (ebd. I, 176). Ausdem Jahre 1378 liegen auch «ie Akten eines Betrugsprozesses, überdie Deklaration mehrerer Fässer Salpeter als Zuckerpulver vor