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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Neunter Abschnitt.

im Überflusse aufgetragen worden seien (Le Grand d'Aussy III,274ff.). Als der Herzog Philipp von Burgund 1453 zu Lilleverweilte, schmückten die herrlichsten Arbeiten aus Zucker dieFesttafel; man sah da eine Kirche, ein ausgerüstetes Schiff, dieBurg der schönen Melusine, aus deren Brunnen Orangenwasserin den Schlossgraben floss, einen Wald mit wilden Tieren, einenschneebedeckten Berg, eine Rosenlaube, in der ein Ritter mit seinerDame koste, und dergleichen mehr; den Schenktisch bildete eine weib-liche Statue, aus deren Brüsten Hippokras quoll, und in ihrer Nähewar an eine Säule ein Löwe gefesselt, mit der Inschrift „ne touchezä ma dame."

Als Heinrich VI. von England 1431 Paris besetzte, sprangan der Brücke von St.-Denis gleichfalls ein Brunnen mit Hippokras(Monstrelet, „Chroniques" II, 77), und dasselbe geschah, alsKönig Ludwig XL im Jahre 1481 in der Hauptstadt einzog, wobeidie Brunnen mit lebendigen Sirenen in der von Makart's „Ein-zug Karl V. in Antwerpen" her bekannten Weise, bevölkert waren(Le Grand dAussy III, 199). Bei der Ankunft der KöniginCharlotte in Paris (1467), überreichten ihr die Bürger kostbaresZuckerwerk, und einen, mit ihrem Wappen geschmückten, ganz ausZucker bestehenden. Hirsch (Le Grand dAussy II, 319). Als dieKönigin, in deren Rechnungsbüchern noch 1482 „ein Pfund Zuckerzum Streuen auf die Torten" vorkommt, 1483 starb, betrug dieApotheker-Rechnung für die binnen zwei Monaten gelieferten Dro-gen, Gewürze und Konfekte, nach jetzigem Geldwerte etwa 3150 fr.(Leber 99); nicht mit Unrecht konnte daher Karl VIII., 1484,eine genaue Revision der Gewichte und Waagen aller derer, dieZucker und Gewürze verkaufen, anordnen, und vorschreiben, „dasswegen der Wichtigkeit der Arbeiten mit Zucker und Konfekten,auf die Einhaltung einer vierjährigen Lehrzeit, und die Anfertigungeines gelungenen Meisterstückes, strenge zu sehen sei" (Phillippe101 und 115).

Was Deutschland anbetrifft, so nahm dessen Handel mit Italien,namentlich mit Venedig, seit Beginn des 14. Jahrhunderts in er-staunlicher Weise zu (Hüllmann I, 383 und 384; Falke I, 123).Einwohner von Strassburg, des Ausgangspunktes für den Rhem-handel, erscheinen 1335 als Prozesszeugen in Venedig genannt(Simonsfeld II, 67); die Messen von Köln 1335 und Frankfurt1367, erwähnen „Venediger Gäste", wie auch andererseits wiederKölner Kaufleute 1336 in Venedig nachweisbar sind (ebd. II, 69);ein in Venedig 1376 auf Lübeck ausgestellter Wechsel ist erhalten(ebd II, 71), und auch Prag und Breslau, sowie schon vorher