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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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D Zuckerkonsum Kuropas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 235

Verdauung genossen; sie brechen deshalb die Fasten ebensowenig,wie der Genuss irgend einer Arznei."

Zucker, der zu Anfang des 14. Jahrhunderts grösstenteilsdurch italienische, meist genuesische oder florentiner Händler, nachSüdfrankreich gebracht wurde, gehörte, infolge seines hohen Prei-ses, zu den grössten Luxusgegenständen (Le Grand d'Aussy II,198ff.; Leber, „Essai sur l'appreciation de la fortune privee aumoyen äge", Paris 1847, 53); ebenso wie den Alkohol, von demArnaldus de Villanova sagt, „dass man seine Tugenden undKräfte jetzt zu erkennen anfange", führten auch den Zucker nurdie Apotheker regelmässig, und verwandten ihn so vielfach, dass„Apotheker ohne Zucker" sprichwörtlich für Einen war, dem esam Nötigsten fehlte. Ein Hut feiner Zucker „ssucre fin d'Alexan-drie", galt für ein wahrhaft fürstliches Geschenk, so dass z. B. einreicher Sünder, St. Dambray, um am Totenbette sein Gewissenzu erleichtern, dem Krankenhaus Hötel-Üieu drei Hüte Zuckersandte (Le Grand d'Aussy a. a. 0.). Auch in den Heiligen-Geschichten dieser Zeit, spielt der Zucker, als eine ebenso reinewie köstliche Speise, seine Rolle; im „Leben der heiligen Lidwina"heisst es: „in der ersten Zeit ihrer Krankheit trank sie, neunzehnJahre lang, nur ein wenig Zuckerwasser", und „hin und wiedernahm sie ein wenig Zucker oder Kümmel zu sich"; der h. Petervon Luxemburg erquickte sich ebenfalls an Zuckerwasser, undim „Leben des h. Eleazar" wird erzählt: „Von dorther brachteer seiner h. Gefährtin etwas mit, was ihr, als sie das h. Abend-mahl nahm, an Geschmack dem besten Zucker gleichzukommenschien 1 " (Du Gange VII, 644b; VIII, 434a, 434b).

Die älteste französische Quelle, die den Zucker im 14. Jahr-hundert erwähnt, dürfte ein Brief Philipp des Schönen (1285—1314) aus dem Jahre 1304 sein (Du Cange VIII, 434a); 1312befiehlt der König, Zucker zur Anfertigung von Konfitüren einzu-kaufen („Ordonnarices des rois de France" I, 513; Francisque-Michel a. a. 0.), 1313 Hess er bei einem Feste Springbrunnenmit gezuckertem Weine, Rosenwasser, und Hippokras laufen (LeGrand d'Aussy III, 195ff.), und aus dem nämlichen Jahre er-wähnen die „Ordonnarices" auch eine Paste aus verzuckerten Pinienund Ingwer (ebd. II, 326). König Karl IV. (1322—1328) kaufte1322, zur Bereitung von Syrupen, Arzneien, und Zuckerwerk„succre de trois cuictes" („Ordonnances" I, 761), auch liegen ausden Jahren 1322 und 1333 Nachrichten über den Ankauf vonDragees vor (Leber 74). In den Rechnungen für Humbert.Dauphin von Vienne, stehen, 1333, zwölf Pfund weisser Zucker