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Neunter Abschnitt.
in Fächer geteilten flachen Schüssel, „drageoir" genannt, serviert.Kleinere, sehr kostbare Drageoirs pflegte man, mit verzuckertenGewürzen gefüllt, in der Tasche zu tragen, und trieb mit denselbenden unglaublichsten Luxus; ein Verzeichnis König Karl V. (1364—1380) enthält z. B. 53 grosse und unzählige kleine, aus Goldund Silber gearbeitete, mit Edelsteinen und Email verzierte Dra-geoirs, und der Charlotte von Savoyen, Gemahlin Ludwig XI ,wurden, bei ihrem Einzug in Amiens (1464) und Paris (1467),Drageoirs überreicht, von denen mehrere zwanzig Mark Silber(ca. 1000 Mark in jetzigem Geldwerte) gekostet hatten. Die Ver-wendung von Konfekt zu Festgaben war übrigens eine allgemeine;nach Gewinnung eines Prozesses beschenkte man damit die Richter(ebd. II, 313), und nicht selten suchte man auch schon vorher ihrUrteil auf solche AVeise zu beeinflussen: als z. B. Jean de Beau-dricourt, zur Prüfung einer Klage gegen den Statthalter derProvence, von Lu dwig XL 1483 nach Marseille gesandt wurde, beeiltesich der Magistrat, ihm zwölf Büchsen Konfekt und zwölf kleineZuckerhüte zu überreichen (Viennot, a. a. 0.). Die Könige ver-suchten umsonst diesen Übelstand abzuschaffen; im 14. Jahrhundertverlangten Richter und Advokaten solche Geschenke*), oder derenGeldwert, sogar schon im vorhinein, und wurden hierzu 1402 ge-setzlich berechtigt, so dass man um diese Zeit unter „epices" all-gemein ein Geldgeschenk zu verstehen pflegte (Mas-Latrie I,509); selbst im Parlamente hiess es „non deliberetur donec sol-vantur species", d. h. „erst wird gezahlt, dann wird beraten" (LeGrand d'Aussy II, 313). Die Spuren dieses Gebrauches erhieltensich noch Jahrhunderte lang: in Moliere's „Les fourberies deScapin" („Oeuvres", Paris 1869; II, 563) spricht Scapin von den„epices de conclusion", und in Racine's „Les plaideurs" heisstes in der 7. Scene des 2. Aktes:
,11 me redomandait sans cesse ses epices,„Et j'ai tout bonnement couru dans les offices„Chercher la boite au poivre ...."
Die Frage ob der Genuss solcher Gewürze einen Bruch der Fasten-zeiten vorstelle, beschäftigte viele ängstliche Gemüter; Thomasvon Aquino, der mit Unrecht berühmtere Schüler des berühmtenAlbertus Magnus(1193—1280), entschied dieselbe endlich wie folgt:„Obwohl an sich nährend, werden die verzuckerten Gewürze dochnicht mit der Absicht, sich zu ernähren, sondern nur behufs besserer
*) Bereits bei Juvenal („Satiren" VI, 119ff.) sind derartige Natural-abgaben erwähnt, und die Anwalte beklagen sich über deren Dürftigkeit.