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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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D. Zuckerkonsum Europas i. 14. u. 15. Jahrhundert, u. s. Grosslieferanten. 233

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denen Stücken Shakespeares zu Grunde liegen („Kaufmann vonVenedig", „Lustige Weiber", etc.), spricht ebenfalls häufig vonZucker werk, Konfekt, Eingemachtem, köstlichen Zuckersachen, süssemBackwerk, süssen Weinen, u. dergl., als von etwas Allbekanntem,und bei jeder feineren Gesellschaft ganz Unentbehrlichem (Sim-rock, „Die Quellen des Shakespeare", Bonn 1872; I, 195,307, 335).

In Frankreich nahm der Gebrauch von Gewürzen und Zuckerzu Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts immer mehrzu, obwohl die italienischen Händler, welche die Einfuhr meistbesorgten, die ohnehin hohen Preise dieser Waaren noch mehrverteuerten (Le Grand d'Aussy II, 174). Den ersten Rang unterden Gewürzen nahm der Pfeffer*) ein, der zu dieser Zeit im Gross-handel dieselbe Bolle spielte, wie heute Kaffee, Thee, Baumwolle,u. dergl, so dass „Epicier" und „Poivrier" gleichbedeutend und„eher comme poivre" sprichwörtlich war (ebd. II, 181). Pfeffer,Ingwer, Nelken und andere scharfe Gewürze, dienten hauptsächlichzur Anregung der Verdauung beim Genüsse der schweren Speisen,die in vornehmen Kreisen üblich waren, z. B. der gebratenen Igel,Seehunde, Schwäne und Pfauen (ebd. II, 308; Schultz 1, 284 und333). Pfauenbraten stand in so hohem Ansehen, dass eine geläu-fige Schwurformel lautete: „Ich schwöre bei Gott, bei der h. Jung-frau, bei allen Frauen, und beim Pfau"; ebenso schwur noch 1453der Herzog von Burgund auf einen Fasanenbraten, einen Kreuzzugzur Befreiung Konstantinopels zu unternehmen**) (Le Grandd'Aussy I, 368; II, 25). Die Gewürze wurden entweder in Formvon Saucen genossen, oder man kandierte sie mit Zucker, und asssie zum Nachtische; der, aus dem 14. Jahrhundert stammendelloman „Triumphes de la noble dame" sagt: „nach dem Braten essendie Reichen zur Verdauung verzuckerten Anis, Fenchel und Kori-ander", und anstatt „apres la table" pflegte man nach höfischerSitte „apres les vius et les epices" zu sagen (ebd. II, 308 und309). Die Könige hatten einen eigenen Hofbeamten, „Epicier",zur Bereitung solchen Zuckerwerkes (ebd. II, 315); bei der Tafelwurde dasselbe nur dem Könige und den Vornehmsten, in einer,

*) Schon in den, vermutlich aus dem Beginn des 13. Jahrhundertsstammenden „Carmina burana", wird os als Vorzug der Reichen angeführt,dass sie Fische mit Pfeffersauce essen können (ed. Seh melier, Breslau1883, 44).

**) „Der Pfau gebraten vor ihm stand" heisst es in Wolfram vonEschenbach's „Wilhelm von Orange" (S. 117), und noch Olivier deSerres (1600) versichert, l'fau sei der feinste aller Braten.