Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218

Neunter Abschnitt.

rasche Verbreitung; bei einer Landschenkung, die Alfons V. 1457machte, heisst es schon, „diese Gegend sei meilenweit mit Zucker-rohrfeldern bedeckt, und habe viele Mühlen und Fabriken, Trape-tum oder Trapetazzo genannt" (lütter 404). Um 1448 nahmdie Zuckerrohrkultur die besten und ausgedehntesten KüstenstricheSiziliens in Anspruch (Scinä, „Topografia di Palermo", Palermo1818, 36), und aus dieser Zeit stammen auch die, zum Teil noch jetzterhaltenen Ortsnamen „Melazzo", „Mazzara", „Trappeti", „Cannetta",„Mellili" u s. w., die sich auch auf der Karte Siziliens vonGhistele (S. 45) zahlreich vorfinden. Zucker-Raffinerien bestandenin Sizilien wahrscheinlich schon seit dem 13. Jahrhundert (Beer I,192), gelangten aber erst mit Beginn des 15. Jahrhunderts zur vollenBlüte. Ein venetianischer Senatsbeschluss von 1429 sagt: „dasizilische Krystallzucker und Zuckerhüte zollfrei eingehen, und zujeder Zeit eingeführt werden dürfen, Zucker aus der Levante abernicht*), da es ferner angezeigt erscheint, alle Zucker in gleicherWeise zu behandeln, so ergeht der Beschluss: dass auch letzterefortan zollfrei sein sollen, und jederzeit, ebenso wie der sizilischeZucker, eingeführt werden können" (Du Cange VIII, 434b).

Auch in Kalabrien wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielZuckerrohr gebaut (Troili, „Geschichte Neapels" 1749; Viennot,»Journal des fabricants de Sucre", Paris 1877, Nr. 46—49); alsKönig Alfons 1436 Gaeta belagerte, „diente, ausser dem Getreide,wovon nur wenig .vorhanden war, besonders der Zucker als Nahrungs-mittel, dessen sich viel in den Waarenspeichern vorfand, und wel-chen Spinola, der Anführer der genuesischen Besatzung, inkleinen Mengen verteilen liess" (Fazius, „De rebus gestis abAlfonso primo", bei v. Platen, „Geschichte des KönigreichsNeapel", „Werke" II, 477, Sttgt. 1870).

Ausführliche Nachrichten über den Grosshandel mit Zucker,zu Beginn des 14. Jahrhunderts, enthält Francesco BalducciPegolotti's „La pratica della mercatura" (Bd. III von Pagnini's.,Della Dezima e delle altre gravezze", Lissabon und Lucca, 1766);dieses Werk giebt Auskunft über die wichtigen Waaren sämmt-licher bedeutender Mittelmeerhäfen, und über die Münz-, Maass-,Gewichts-, Preis-, Zoll-, Frachten- und Provisions-Verhältnissederselben, und Pegolotti schrieb es zumeist auf Grund eigenerAnschauung, da er, als Vertreter des grossen florentiner Bankhauses derBardi und Peruzzi, Cypern, Kleinasien, Ägypten, und andereStaaten wiederholt bereist, und daselbst in deren Namen Geschäfteund Verträge abgeschlossen hatte. Von Umfang und Bedeutung

*) Meist bezahlten dieselben einen Zoll von 5°/„ ihres Wertes.