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Achtor Abschnitt.
Lilien, Rosen, Thymian und dergl., nur noch Balsam, Weihrauch,Myrrhen, Pfeffer, Galgant, Zitwer, Cinamom, — und den Baum derErkenntnis (ebd. III, Vorr. 5). Im „Ruodlib", einem um 1050abgefassten, fragmentarisch erhaltenen, lateinischen Gedichte, wel-ches allerlei merkwürdige Luxusgegenstände, darunter auch orien-talische, aufzählt (Scherer, „Litg." G8), kommt der Zucker nichtvor; auch den Volksepen, den „Nibelungen", der „Gudrun", undden Sagen des „Heldenbuches" ist er fremd, obgleich in diesenkostbare morgenländische Stoffe und Waaren (z. B. arabische Anker-seile in der „Gudrun", Strophe 266). nicht selten genannt werden.Bei Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue und demetwas jüngeren Walter von der Vogel weide, deren dichterischeThätigkeit etwa in die Jahre 1175—1225 fällt, fehlt er auch noch,und wir finden ihn erst bei den späteren Dichtern des 12. und13. Jahrhundertes erwähnt, die unter dem mächtigen Einflüssejener französischen und provencalischen Poesie standen, welcheselbst wieder durch ihre lebhaften Beziehungen zum Oriente, diemeiste Anregung und die grösste Bereicherung erfahren hatte(Schultz II, 19; Prutz 440 und 445; Scherer, „Litg." 153ff.)*)Im „Parzival" des Wolfram von Eschenbach, gedichtetum 1205, heisst es im 1. Gesänge (Übersetzung von Simrock,Sttgt. 1861; I, 69):
„Hätt er den Preis erworben so„Wie du an frovlen Holden, — traun„Für Zucker iissen ihn die Frau'n."
Diese Redensart, welche die leidenschaftliche Verliebtheit andeutensoll, und in der Wendung „für Zucker möchten ihn die Frauengemessen" („Turnier von Nantes" 189) eine Parallelstelle besitzt,ist nach Wackernagel (a. a. 0. VI, 294), wie so viele ähnliche,undeutscher, nämlichprovenealischer Herkunft. In Wolfram's „Wil-helm von Orange", welcher durchaus die Färbung des feinen, aus-gebildeten Rittertums Südfrankreichs trägt, und um 1216 verfasstist, begegnet mau dergleichen Wendungen noch Öfter, z. B. (Über-setzung von San-Marte, Halle 1873, 56 und 78):
„Solche Süsse an deinem Leibe lag:„Des weiten Meeres Salzgeschmack„Wohl müsst er zuckermässig sein,„Wurf man nur deine Zeh' hinein."
*) s. Lexer, „Mittelhochdeutsches Handwörterbuch" III, Artikel „Zucker",und Nachträge III, 406; Benecke-Müller-Zarncke, „MittelhochdeutschesWörterbuch", Artikel „Zucker".