wasser), eine Infusion von Alkohol mit Rosmarin, Zibeben, Zäumt,Nelken, Macis, Süssholz, Granatsaft, Rosenwasser und Zucker, einegoldgelbe Flüssigkeit, und jedenfalls eines der ältesten alkoholischenGetränke (ebd. III, 86). Durch alchemistische Einflüsse gingdaraus das „aurum potabile" (trinkbares Gold) hervor, ein Lebens-trank und Universalheilmittel, dessen Darstellung noch viele Jahr-hunderte später, z. B. von Thurneysser (1571), und Welling(1652 —1727), für möglich gehalten, und praktisch versucht wurde(Kopp, „Alchemie" I, 112; II, 242). Das Gold spielt hierbei, wiebei den Gehennmitteln der Inder und Araber (Räzi, Avicenna,.Geber), die Rolle eines mystischen Agens von zauberhafter undverwandelnder Wirkung; in diesem Sinne empfehlen auch Bar-tholomäus Anglicus und Arnaldus de Villanova, Goldstaubauf die Speisen zu streuen, Geflügel mit vergoldeten Pillen zufüttern, und die Wirkung der „Aqua auri" durch Zusatz von Gold-tiittern zu erhöhen (Le Grand d'Aussy III, 89), — ein Gebrauch,,der noch heute in der Darstellung des Danziger „Goldwassers" eineSpur hinterlassen hat.
Ein Nacheiferer des Arnaldus war Raimund Lullus ausMallorca (1235 —1315), wegen seiner alchemistischen Weisheitauch „Doctor illuminatissimus" genannt; in seinen Schriften, vondenen übrigens ein Teil vermutlich untergeschoben ist, spricht erüber Zucker ganz im selben Sinne wie Arnaldus; auch erwähnter den absoluten Alkohol, und sagt, man könne diesen daran er-kennen, dass ein damit getränktes Zuckerstück vollkommen ver-brenne (Haeser I, 727; Kopp, „Alchemie" I, 25; Phillippe 402).
In Italien herrschte, nach Ricobaldus von Ferrara (Mura-tori IX, 128; Hüllmann IV, 135) bis zum Ende des 13. Jahr-hundertes im Ganzen Einfachheit und Genügsamkeit, besonders imBürgerstande, der dort früher als anderwärts zu Entwicklung undBedeutung gekommen war, und erst als 1264 Karl vonAnjou, zur Eroberung Neapels, und 1300 Karl von Valois,zur Schlichtung der toskanischen Streitigkeiten, mit den Heerenihrer königlichen Brüder in Italien einmarschierten, griff die fran-zösische Sittenverderbnis, und namentlich der Kleider- und Tafel-Luxus, auch dort um sich (Hüllmann IV, 137, 151 ff.). Gewürzeund Zucker waren indes schon seit dem Beginne der Kreuzzügeziemlich verbreitet, und der Zucker ist im 12., und noch mehr im13. Jahrhunderte, auch abgesehen von den grossen HafenstädtenVenedig, Genua und Pisa, vielfach als allgemein gangbare Handels-waare nachzuweisen (ebd. I, 75; Bourquelot a. a. 0. V, 293).So z. B. führt der Zolltarif von Ferrara, 1193, Zucker auf (Hum-