Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

Der Zucker zur Zoit der Kreuzzütre.

171

nennt aber auch noch drei andere Arten („Mat. med." I, 600 ff.),deren Wurzeln man zu Brot verarbeitete (Herodot IV, 177;Theophrast IV, 8), und aus deren Saft ein Wein bereitet wurde(Plinius III, 73; Diodor 1, 10 und 34).

Von weit grösserem Einflüsse auf die Allgemeinheit, als vonKonstantinopel aus. wurde die Berührung mit dem Oriente seitensder Städte Unteritaliens, von denen besonders Neapel, Gaeta,Salerno, Bari, Tarent, Trani, Brindisi, und Amalfi zu nennen sind(Heyd, „Geschichte des Levantehandels im Mittelalter", französ.Ausg., Leipzig 1885; Prutz, „Kulturgeschichte der Kreuzzüge",45); namentlich Amalfi stand schon um 870 in regem Handelsverkehrmit den Arabern in Sicilien, Syrien und Ägypten, sowie mitByzanz. Im 10. Jahrhunderte nahm diese Stadt einen neuerlichengrossen Aufschwung, dem aber infolge ihrer Eroberung durch dieNormannen (1031) ein noch rascherer Verfall folgte, wie ambesten aus dem Umstände zu ersehen ist, dass sich keine dort ge-zeichnete Seekarte, ja nicht einmal der Name eines dortigenKartographen erhalten hat (Fischer, „Sammlung mittelalterlicherWelt- und Seekarten italienischen Ursprunges", Venedig 1886).

Weniger als Handelsstadt, denn als Sitz einer wichtigenmedizinischen Schule, hat sich Salerno hohen Ruhm erworben.Ob diese Schule aus der, des 529 gestifteten Benediktiner-KlostersMonte Cassino hervorging, oder selbständig auf heimatlichem Bodenerwuchs, ist noch immer ungewiss (Steinschneider, „Virchow'sArchiv", Bd. 38, 81), und ebensowenig steht der genaue Zeitpunktihrer Gründung fest; gegen 850 bestand sie wahrscheinlich schon,da 848 ein dortiger Arzt erwähnt wird (Ha es er I, 648), undzwar, nach Meyer's Vermutung („Bot." III, 451), als weltliches,jedoch Geistlichen zugängliches, nicht öffentliches Institut, als eineGilde von Ärzten, die ihre Lehren und Mittel geheim hielten, undkeinerlei Schriften herausgaben. Da die Kultur Unteritaliens indieser Periode noch eine vornehmlich griechische war, so schlosssich auch die Schule von Salerno direkt an die älteren griechischenÄrzte an, und der vorwiegende Einfluss -des Hippokrates undGalenos, und das Fehlen der arabischen Terminologie, sowie derdialektisch-scholastischen Form der Araber, ist für ihre anfänglicheThätigkeit charakteristisch (Steinschneider a. a. O., Bd. 42;56 und 54). In diese ersten dunklen Anfänge Salernos fällt dieThätigkeit des frühestens 965 gestorbenen Arztes Sabbatai-ben-Abraham, genannt Donnolo, dessen Schriften wahrscheinlichälter als die ältesten, sicher zu datierenden, der salemitanischenSchule sind (ebd. Bd. 38, 65; Bd. 42, 51 und 55); erhalten ist