Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des (Jhalifats. 153
(gest. 1152) im „Abschied von der Poesie" entrüstet ausruft(Hart, „Persischer Divan", Halle 1887; 65):
„Pfui Liebesdichter, die die Nacht in heisser Angst verbringen,„Wie sie am besten Zuckermund und Lockenpracht besingen!"
Dagegen weiss Sahir Farjabi (gest. 1201), in der „Kasside aufAbubekr", diesem keinen besseren Nachruf zu widmen, als dieWorte (ebd. 71):
„Seit deiner Lippen Preis auf meine Zunge gekommen,„Ist in meinem Mund süsser als Zucker das Wort."
Im „Heft-peikar" des Nizämi (gest. 1198) heisst es, bei derRätsellösung des freienden Prinzen, nachdem ihm die Prinzessinzwei Perlen geschickt hat (ebd. 77):
„Ein Rätsel sann sie drauf, so fein wie Staub am Grund:
„Sie bröckelt Zucker mit den Fingern, und
„Der Diener Einem überreicht sie ihn,
„Dass er zum Fremden schnell zurücke kehret.
„Der, gleich entdeckend den verborg'non Sinn,
„Vom Diener einen Becher Milch begehret,
„Und streut den Zucker drein, und spricht: Nimm hin!"
Die Deutung dieses Rätsels wird auf folgende Weise gegeben:
„Ich zoigt' ihm durch zwei reine Perlon an,„Dass mir das Leben wert zwei Tage nur.„Doch als den Zucker ich hinzugebracht,„Zusammen mit den Perlen ihn gerieben,„So hiess dies: Leben ist mit süssen Trieben„Gemischt, wie mit dem Zucker Perlenpracht ....„Es sagt, wer Milch geschüttet zu den beiden,„Dass diese blieb, der andere zerfloss,„Dass Zucker, wenn auf Perlen auch gestreut,„Von einem Tropfen Milch zu schmolzen dräut."
Nach vollbrachter Lösung wird das Verlobungsfest gefeiert:
„ . . . . Der Schah, wie es geboten„In den Gesetzen, ordnet zu dem Feste,„Zum bräutlichen, nun alles auf das beste,„Und Zuckerkrümchen streut er auf die Matten."
Bei Sadi (1184—1286) finden wir im „Rosengarten" und„Fruchtgarten" die weisen Sprüche:
„Trotzdem dir der Genuss der Speise die Seel' erfreut,„Ist Speise doch, die übor's G'nüge du nimmst, gefährlich;„Wenn zuviel Rosenzucker du geniessest, er schadet,„Das trockne Brot gleicht Rosenzucker, isst du es spärlich."