Zuckerrohr und Zucker in den westlichen Provinzen des Chalifats. 145
berühmte Rechtsgelehrte Abul-Fadl in Kairowän, als starrerAnhänger der orthodoxen Glaubenslehre, und Feind der, von derschiitischen Fatimiden - Dynastie vertretenen Neuerungen, sichweigerte, von einem Freunde ein Stück Torte anzunehmen, weil ervermutete, sie sei mit sizilischem Zucker versüsst, dessen Ursprunger als illegal betrachtete (Amari, „Storia dei musulmani inSicilia", Florenz 1868; II, 445; III, 785). lbn-Haukal schreibtum diese Zeit; „Die Gestade der Bäche rings um Palermo sind,von ihrer Quelle an, bis zur Einmündung in das Meer, vonsumpfigem Boden umgeben, auf welchem persisches Rohr wächst"(Schack a. a. 0. I, 292); der Saft desselben wurde durch Aus-pressen in Mühlen gewonnen, deren Name „Massara" (ma c sara— Ort, wo gepresst wird) sich auch in späterer Zeit erhielt, undin Spanien als „Almazara" noch jetzt für Ölmühlen gebräuchlichist; wie es scheint, waren sie einer Steuer unterworfen, denn wirhören, dass nach der Eroberung Siziliens durch die Normannen(1071) „auf die alte Zucker-Abgabe unter den Arabern" eine neuegegründet wird (Ritter 402). Zucker-Raffinerieen bestanden inSizilien nicht, doch war der Verbrauch an Zuckerwerk und Zucker,und der hiermit getriebene Luxus, ebenso gross, wie der vonMakrizi für Ägypten geschilderte, und die arabischen Namen ge-wisser Süssigkeiten haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten,/.. B. „eassata" von „ka'sat*, „ cubbeita" von „kobbeit", und„nucatula" von „nukl" (Amari III, 892).
"Wie nach Sizilien, so brachten die Araber das Zuckerrohrauch nach Spanien. Die Einen geben an, es sei dies 714, alsodrei Jahre nach der Eroberung des Landes geschehen (Reed 3),die Anderen nehmen hierfür erst die Regierungszeit Abderrach-man's I. (755—788) an; Makkari (gest. 1646) meldet in der Thatin seinem grossen, nach den besten Quellen abgefassten Geschichts-werke („The history of the Mohammedan Dynasties in Spain", engl.Ubers. von de Gayangos, London 1840; II, 86), dass dieserKönig ein besonderer Freund der Gartenkunst und Landwirtschaftgewesen sei, und aus dem Osten Blumen und Nutzpflanzen allerArt habe kommen lassen, die er für das Klima Südspaniens fürgeeignet hielt- Reichtum und Wohlstand des Landes nahmen unterarabischer Herrschaft in grösstem Maasse, und mit unerhörterSchnelligkeit zu: „wo die Araber ihren Fuss auf spanischen Bodensetzten, sprudelte Leben und Wasserfülle empor, verschlangen sich•Vkomore, Granate, Bananen und Zuckerrohr zum glänzendenLabyrinth, blühte selbst der Stein in bunten Farben auf" (Schack,- l>() csie und Kunst" etc. I, 88), und noch Calderon preist den
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