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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Sechster Abschnitt.

Auch die Phönicier kannten, trotz ihres lebhaften Karawanen-verkehrs mit Arabien, das Zuckerrohr nicht (Movers, „Das phöni-cische Altertum" 1856; III, 99 und 299), und unter den Luxus-waren, die sie von ihren Fahrten nach dem Lande Ophir, welchesLieblein für identisch mit dem Puntlande erklärt, zur Zeit Salomos(um 1000 v. Chr.) heimbrachten, wird es nicht aufgeführt (Götz,99 und 123); dasselbe gilt für den Pentateuch, dessen erste vierBücher, nach Nöldeke, aus dem 9. oder 10. vorchristlichen Jahr-hunderte stammen, zum Teil aber erst im 6. ihre jetzige Gestaltempfangen haben, und für die Bücher Samuelis, von denen nurBruchstücke im 9. und 8. Jahrhundert verfasst sein dürften(Rosenmüller, „Handbuch der biblischen Altertumskunde", Lpzg.1830; Hamilton, „La botanique de la bible", Nizza 1871). DasRohr, welches im Exodus (30, 28), bei Jeremias (6, 20), beiJesaias (43, 24), und in der glänzenden Schilderung des syrischenGrossverkehres im 6. Jahrhundert, bei Ezechiel (27, 17 und 19)genannt wird, ist entweder Zimmtrinde (Plückiger und Han-bury, „Histoire des drogues d'origine Yegetale", Paris 1878; II,559), oder, nach Gesenius (s. Lassen II, 558), der wohlriechendeKalmus, Acorus Calamus. Jedenfalls ist aber die, besonders inEngland übliche Übersetzung mit „Sweet-Cane", unrichtig, obwohlder Name „Canna", unter dem im Mittelalter häufig auch dasZuckerrohr verstanden wird, allerdings aus semitischer Quelle stammensoll (Hehn, 211); dass die, im Hinblick auf diese, von Mei-bomius („De cerevisiis" II, 52) gegebene Ableitung des Wortes„Saccharum" vom hebräischen „schachar" (= trunken machen, inBeziehung auf den gegohrnen Rohrsaft) unsinnig ist, hat schonHoff mann erkannt (Hoffmann-Maederjan, „Dissertatio de sa-charo", Halle 1701). Von besonderer Wichtigkeit für die vor-liegende Frage ist es, dass, wie die Bibel, so auch die „Mischnah"und der „Talmud", welcher in seiner jetzigen Fassung während des6. nachchristlichen Jahrhunderts abgeschlossen wurde (Sprengel,„Bot." I, 176), das Zuckerrohr nicht kennt; die gegenteiligen An-gaben SprengeFs (a. a. 0.) und Mahn's („Etymologische For-schungen" 154) sind nach Low (S. 345) unrichtig, und rührenvon einer unzulässigen Identifizierung zweier ähnlich geschriebenerWorte her. Die erste Erwähnung des Zuckerrohres findet sichvielmehr erst in den vom Rabbi Simon von Kahira (gegen 900)verfassten „Halachoth gedoloth"; von da ab sprechen die halachi-schen Schriften öfter darüber, weil der Saft, den man aus demRohre sog, nach den Regeln der Speisegesetze nicht leicht zuklassifizieren war, und ebenso gedenken sie auch des festen