SECHSTER ABSCHNITT.
Zuckerrohr und Zucker in den westlichenProvinzen des Chalifats.
Von allen Ländern, denen die Wohlstand und Kultur spen-dende Hand der arabischen Eroberer, nebst anderen Pflanzen auchdas Zuckerrohr zu teil werden Hess, hat keines für die Geschichtedes Zuckers eine grössere Bedeutung erlangt, als Ägypten, die alteHeimat und Pflegestätte der Chemie und Alchemie.
Es ist zwar behauptet worden, dass schon das ägyptische undsemitische Altertum das Zuckerrohr gekannt hätte, und Gelehrtewie Sa Vary, Goguet, und de Pau, haben hierüber sogar aus-führliche Angaben gemacht (Ritter IX, 275); doch unterliegt eskeinem Zweifel, dass alle solchen auf Irrtum oder Missverständnisberuhen, und dass weder der Orienthandel Ägyptens, noch derPhöniciens, diesen Ländern das Zuckerrohr zuführten.
Nach Brugsch fand die erste sogenannte Puntfahrt derÄgypter um 2500 v. Chr., von Kosseir aus statt, und erstrecktesich nach Südwestarabien und den gegenüberliegenden Küsten Ost-afrikas, welche unter dem Namen Puntland zusammengefasst wurden;unter den zahlreichen Produkten dieser Landstriche wird Zucker-rohr niemals genannt (Götz 47 und 49), obwohl dieselben auchWaaren indischen Ursprunges mit umfassen, und schon der, ausdem Sanskrit abgeleitete Namen der Insel Sokotora (dvipa-sukha-tara es glückliche Inseln), für uralte Handelsbeziehungen mitIndien spricht (Lassen I, 884; II, 584). Gemälde und Inschriftenuns der Zeit um 1700 v. Chr. (Dümichen, „Beschreibung desTempels von Der-el-Baheri", Lp/.g. 1868) zählen als Kostbarkeitenarabischer Herkunft Weihrauch, Sandelholz, Zimmt, Elfenbein,Gummi, Silber, Gold, Affen, und lebende Weihrauchbäume in Kübelnauf, fchan aber des Zuckerrohrs keine Erwähnung; auch Woenignennt dasselbe nicht unter den Pflanzen des alten Ägyptens (dieHonigpflanze Cheb, S. 394, ist damit unmöglich zu verwechseln).
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