130
Fünfter Abschnitt.
In seinem Gedichte „Jussuf und Suleicha* (deutsch vonSchlechta, Wien 1889; 142) sagt Firdusi, indem er die Schön-heit der Heldin in beredten Worten schildert:
„Zwei Lippen auch, — man schwankte, ob Rubinen,„Ob Kandiszucker sie verwandter schienen."
Hariri aus Bassorah (1054—1122) beklagt in der 1. Makamedie Trennung von seiner Geliebten mit den Worten (ßückert,»Werke" XI, 234):
„Der Abschied kam; sie stand im Schleier schwarzen Flor's,„Mit Perlonspitzen nagend Spitzen Zuckerrohrs"
d. h. mit den Zähnen an den Fingerspitzen nagend; in der 1(>.Makame (ebd. XI, 346) befiehlt er als Beschluss eines feinen Gast-mahles:
„Sodann erscheine das Backwerk,
„Das befriedigende Geschmackwork,
„Und zum Sehluss, was man mit Honig anmacht
„Und mit Zucker einmacht,
„Was das Thor zumacht
„Und den Markt reinmacht."
Aber auch in übertragener Bedeutung anderer Art, als derin solchen Dichterwerken üblichen, kommt der Zucker vor: ein,im .lahre 995 verstorbener Poet, dessen Verse von Wohllaut über-flössen, wurde Ibn-Sukkara (Sohn des Zuckers) genannt, unddieselbe Ehre erkannte man 1120 einem vorzüglichen Koran-Leserund -Kritiker zu (Ibn-Challikan III, 115; IV, 405)*); das An-denken eines anderen Mannes, dessen Lebenslauf ein Muster anTugend und Beredsamkeit war (ebd. II, 387), lebt sogar unter demNamen „Ibn-Tabarzed" durch die Jahrhunderte fort.
*) In ähnlicher Weise fahrte Bernhard von Clairvaux (um 1200)den Titel: Doctor mellifluus.