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Fünfter Abschnitt.
(= königliches Buch), einein umfangreichen Kompendium der ge-sammten Medizin auf praktischer Grundlage, dem Zucker ebenfallsgrosse Wichtigkeit bei, namentlich als Nahrungsmittel für neu-geborene Kinder, und für Schwindsüchtige, denen er grosse Mengengezuckerter Milch zu trinken anrät (Sprengel, „Gesch. d. Arzneik."II, 416; Leclerc I, 381). Ähnlich äussert sich auch sein Zeit-genosse El-Temimi (gest. um 1000), der im 11. und 12. Kapitelseines „Murschid" die Heilkräfte des Zuckers, der Manna, und desTabaschirs behandelt (Leclerc J, 388).
Alle seine Vorgänger verdunkelte indessen der grosse Ibn-Sina (Avicenna, 980—1037), Hauptrepräsentant der Medizin derAraber, und Verfasser von 105 Schriften (Wüstenfeld 72), unterdenen sein „Kanon der Medizin" als die wichtigste aus dem Ge-samtgebiete der arabischen Heilkunde hervorragt. Dieses Riesen-werk, welches durch über 600 Jahre lang die ganze medizinischeWissenschaft beherrschte, Gegenstand unzähliger Kommentare war,und im Orient noch jetzt in solchem Ansehen steht, dass 1871eine neue indische Übersetzung desselben erschien (Leclerc II,260), umfasst alle die verschiedenen Zweige der Heilkunde aufGrund der Schriften sämtlicher bedeutender griechischer, indischer,persischer, und arabischer Ärzte. Sein Hauptwert besteht in derbreiten und vollständigen Behandlung der Gegenstände, und inderen logischer und systematischer Anordnung, — ein Vorzug,welcher den „Kanon" befähigte, Jahrhunderte zu überdauern, undkeine andere Autorität neben sich aufkommen zu lassen, obwohlder vollendet methodischen Form kein ebensolcher Inhalt gegen-über steht. Avicenna ist nämlich ausschliesslich Theoretikerund Kompilator; er zerstückelt häufig die Angaben seiner Quellen,um sie nur bequem unter seine Paragraphen aufteilen zu können,ohne jede Rücksicht auf Sinn und Zusammenhang, und stellt dieentgegengesetzten Ansichten der Autoren, ohne ein vermittelndesoder erklärendes Wort nebeneinander. Der „Kanon" enthält daheralles, und giebt Antworten auf jede Frage; diese zu sichten, undauf ihre Wahrheit zu prüfen, bleibt aber dem Fragenden überlassen.
Vom Zucker kennt Avicenna verschiedene Arten: roten,suleimanischen, Fanid (Penid), Tabarzed, Milch (arabisches Wort= Salz, Farin), und Rohrhonig, d. i. Zuckerrohrsaft. WeisserZucker soll reiner und kühlender als roter oder brauner, erweichendund erleichternd sein, die Krankheiten der Brust und des Halsesheilen, das Phlegma des Marens zerstören, das Fieber vertreiben,und das Blut auffrischen; Fanid jedoch wird als sehr hitzig, gröberund zerfliesslicher als Zucker, und „ziemlich weiss" bezeichnet, auch