110
Fünftel' Abschnitt.
zu danken hatten, dadurch aus, dass sie, unter Einführung einergeordneten und weniger willkürlichen Staats-Verwaltung, in dieprivaten Verhältnisse der Unterworfenen nicht mehr als nötig ein-griffen, und namentlich deren gewohnte Beschäftigungen und Er-werbsquellen in keiner Weise veränderten oder schädigten; denWert der Handarbeit und des Handels, die der Koran als Gottwohlgefällig empfiehlt, und die sein Verfasser, als ehemaliger Kauf-mann, wohl besonders zu würdigen wusste, verachteten sie nicht,vielmehr erkannten sie richtigen Blickes überall dessen Wichtig-keit, und trachteten, sich ihn zu Nutze zu machen. So fand auchdie Kultur des Zuckerrohres bei den Arabern Schätzung, Förderungund Verbreitung, und ein Zeitraum von ungefähr hundert Jahrengenügte, um den Anbau dieser Nutzpflanze zum wichtigsten Er-werbszweige Susianas und seiner Nachbarprovinzen, und zur Grund-lage einer, sich mit unerwarteter Schnelligkeit entwickelnden Gross-industrie zu gestalten; das Andenken an die erste Zeit dieserErrungenschaft erhielt sich in dem Namen „persisches Rohr", mitwelchem noch Ibn-Haukal das Zuckerrohr bezeichnet, wie auchselbst Edrisi (um 1150) die zu dessen Zerkleinerung dienendenSteine, im Gegensatze zu den gewöhnlichen Steinen für Getreide-mühlen, „persische Mühlsteine" nennt (s. Schack, „Geschichteder Normannen in Sicilien", Stuttgt. 1889; I, 292 und 315).
Nach der Eroberung von Damaskus (635), Jerusalem (638),und Syrien (640), wohin die Araber nach der Niederwerfung derbyzantinischen Heere in raschem Siegeslaufe vordrangen, machtesich der Luxus und die Üppigkeit Vorderasiens bald auch am Hofeder Omajjaden bemerkbar, ja schon unter dem Chalifate Oth-man's (644—656) wird von dessen Günstling .3 ala berichtet, dasser Gewürze und Spezereien im Werte von 500000 Dirhem hinter-liess (Massudi IV, 255). Vom Chalifen Ali (656—661) hörenwir noch, dass er während der Schlacht von Khorai'beh zur Er-frischung Honigwasser trank (ebd. 339), und dass zu seiner ZeitAschtar mit Honigtrank vergiftet wurde, worüber Moäwiahtriumphierend ausrief: „Gott hat seine Armeen selbst im Honig"(ebd. 423); aber schon von Moäwiah (661—680), der 679 dieResidenz nach Damaskus verlegte, und dort einen glänzenden Hof-halt führte, wird erzählt, dass er an seine Höflinge Törtchen mitKahm und Zucker, Backwerk, Butterkuchen, und verzuckerte Früchteverteilte, und zum Abendmahle die seltensten Leckereien, Halwa,und anderes Zuckerwerk zu verzehren pflegte (ebd. V, 76 und 78).Nach dem berühmten Feldherrn Mohallab, seinem Zeitgenossen,wurde gezuckerter Milchreis „Mohallabijjah" genannt (Kremer I,