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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
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Die Ausbreitung d. Zuckerrohres nach Westen. u. d. Erfindung d. Raffinat] on. 108

findet kein nachträgliches Bleichen des Zuckers, unter Austreibungdes noch in demselben enthaltenen Syrups statt, sondern diehelleren Sorten werden unter Anwendung helleren Rohmaterialserzeugt, und sammt dem eingeschlossenen Syrup erstarren gelassen.Bei dieser Arbeitsmethode konnte fester weisser Stückzucker offen-bar nur aus einem, selbst schon wiederholt und sorgfältig gerei-nigten Feinzucker erhalten werden, wie dies ja auch in obigerAnführung vorgeschrieben wird; von tadelloser Farbe und gleich-massiger reiner Weisse dürfte er trotzdem nicht, oder nur aus-nahmsweise gewesen sein, und stellte in jedem Falle anfänglicheine so seltene und auserlesene Kostbarkeit dar, dass der ursprüng-lich ausschliesslich medizinische Gebrauch eines solchen mühsambereiteten Kunstproduktes, leicht begreiflich erscheint.

Was die äussere Form des Zuckers anbelangt, so hat sichderen älteste Gestalt noch im heutigen Sprach gebrauche bewahrt,der uns von „Broden' Zucker reden lässt; denn sie war anfangswirklich die des flachen orientalischen Brotes oder Kuchens, wiesie durch Ausgiessen der heissen Zuckermasse in flache hölzerneoder irdene Gefässe und Schüsseln erhalten werden musste, undnach Reed's und Grierson's Mitteilungen noch heute erhaltenwird. Der letztere beschreibt deren Urgestalt, die, in Form runder,einige Zoll tiefer Löcher im Lehmbelage des Fussbodens, nochgegenwärtig in Nordindien im Gebrauche steht („Bilutr" 50 ff.);aber auch die Ansiedler Brasiliens, die sich Zuckerrohr für ihreneigenen Bedarf bauen, fertigen sich in niedrigen Holznäpfen solche„Zuckerbrode" an, die sie Rapadura nennen (Breitenbach, „DasAusland", 1888, 75), und in gleicher Weise wurde bei der primi-tiven Darstellung des Zuckers aus Ahornsaft verfahren (Beck-mann, „ Phys.-ökonom. Bibl. a , XX, 25). Überhaupt brachte mangar vielerlei Naturprodukte und Waren in diese so einfache undhandliche Form: Garcia da Orta spricht von Broden Kampher undIndigo (bei Clnsius 162 u.239), Sestini von Broden Storax, Schwefel,und Süssholz („Viaggio aBassora" 1786), Salomon von Broden Zinn(„Art du potier d'etain", 1788), und im Zolltarife des Pegolotti(26, 242, 373, 130) ist von Broden W'achs, Zinnober, Salmiak undKupfer die Rede, und von letzteren heisst es ausdrücklich: „picciolipani, a maniera di pani da mangiare", d. h. „kleine Brode von derForm derer die .man isst". Der berühmte venetianische ReisendeMarco Polo beschreibt, wie zu Caindu in Tibet das Salz ver-sotten, und zu flachen Broden geformt wird, die als Kleingelddienen (Yule, „The book of Ser Marco Polo the Venetian",London 1875; II, 42 ff, mit Abbildung), und Kosmas lndiko-