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Die Ausbreitung d. Zuckerrohres nachWesten, u.d. Erfindung d. Raffination. 101
er auch „Kalam", sofern man ihn in eine längliche, auf beidenSeiten gleiche Form füllt; wird er nach nochmaligem Kochen inein Glas gegossen, so bezeichnet man ihn mit ,Nabät-i-Kasäsi";wenn man ihn mit Wasser kocht, mit einem Löffel ordentlichumrührt, bis er fest wird, und ihn dann zu Fäden zieht, so heisster „Fanid chasäi" oder „ssendscheri"; siedet man ihn, unter Zusatzvon einem Zehntel seiner Menge an frischer Milch, bis er festwird, so heisst er „Tabarsad".
Was den „soliraanischen* Zucker betrifft, so wurde dieser,obiger Erklärung zufolge, jedenfalls dadurch gewonnen, dass mandie nicht allzuweit eingedickte Masse langsam abkühlen liess, unddie hierbei entstehenden und zu Boden sinkenden Zuckerkrystalleausschöpfte; seinen Namen mag er von Soliman, vielleicht seinemErfinder, erhalten haben, wahrscheinlicher aber von der Stadt Solei-manan oder Suleimanan, die unfern von Gondisupür am Tigrisdeltalag, und auch in späterer Zeit noch ein wichtiger Fabrikationsortblieb (Ibn-Haukal 75; Salmasius III, 108 ff.). Unter derhölzernen Form des Fänid hat man wohl flache Tröge oderSchüsseln zu denken, wie Reed und Grierson solche beschreiben.„Kalam", aus dem griechsichen Worte xaXa/xog entstanden, unddaher auch „Schreibrohr" bedeutend, scheint sich auf eine cylin-drische Form, und auf die, in einer solchen angefertigten Zucker-stangen zu beziehen; vermutlich diente hierzu, wie noch jetzt inChina, das Bambusrohr, dessen Abschnitte im ganzen Oriente alsBehälter für Flüssigkeiten oder kostbare Stoffe, z. B. Indigopaste,im Gebrauche stehen (Klemm IV, 297 und VI, 59; Clusius„Exot.", Leyden 1605; I, 18), und auch gegen Hitze so wider-standsfähig sind, dass sie die Malayen z. B. zum Wasserkochen zuverwenden vermögen (Ratzel II, 414 und 426).*)
„Nabät-i-Kasäsi" ist von Kasäs = Glas oder Glasware, und Nabätabzuleiten, welches Wort ursprünglich Pflanze heisst, jedoch auchöfters für Zuckerkrystalle gebraucht wird; man goss also vermut-lich die heisse dickflüssige Zuckermasse in Gläser, und zerschlugdiese nach dem Erkalten, um die Krystallkruste, welche sich anden Wandungen ansetzt, zu gewinnen, —• ein Verfahren, das,wenn auch nicht mit gläsernen, sondern mit thönernen Gefässen,in China noch jetzt allgemein üblich ist. Ba indessen das WortNabät ein arabisches ist, und bei den Arabern speziell Kandis-
*) Bei der Verarbeitung des Süssholzos, deren höchst primitive Me-thoden vielfach an die der ursprünglichen Rohzucker-Bereitung erinnern,werden noch jetzt .,Stangen" mittelst Rinnen aus Marmor oder Messing 1 >e-reitot (Flückiger, „Archiv der Phai-macie" 1889, 1060ff.).