Die Ausbreitung d. Zuckerrohres nach Westen, u. d. Erfindung d. Raffination. 97
grösste Tafelgenüsse genannt: Rahm, Honig und Mark jungfräu-licher Bienen, und feinster Wein (Tabari 39; Massudi IV, 84),und die kostbarsten Gewächse, die Bahrain-Gör (42f>—438) zurAusschmückung seiner Gärten wählte, waren Dattelpalmen, Öl-bäume und Cypressen (Tabari 112). Auch gelegentlich der älterenVerbindungen mit Indien wird das Zuckerrohr nie genannt, ob-wohl diese zum Teile schon in sehr frühe Zeit zurückreichen:bereits auf den Denkmälern der alten Dynastie der Achämenidenbilden Sonnenschirm und Fliegenwedel, Gegenstände echt indischenUrsprunges, die auch später noch indische Namen führen, dasAttribut der Könige (Spiegel III, 816), und den Verkehr derselbenmit dem Nachbarlande beweist schon die Angabe des Herodot(III, 89), dass Indien*) unter Darius I. einen Tribut von360 Talenten Goldstaub bezahlte. Von Ardaschir L, dem VaterSapür I., wird erzählt, dass er Boten an indische Astrologensandte, und Vararan V. soll sogar selbst in Indien gewesensein und Musiker (Zigeuner?) von dort verschrieben haben(Spiegel III, 249 und 354). Häufig ist auch von Tributen undGeschenken aus Indien die Rede; Zucker finden wir aber unterden letzteren erst um die Zeit des Chosroes II. (590—627) auf-geführt, und begegnen, wie bereits im vorigen Abschnitte erwähnt,der ersten sicheren Nennung desselben bei der Plünderung seinesLustschlosses Dastagerd.
Um diese Zeit, d. h. nicht sehr lange nach ihrer Entdeckung,scheint auch die Kunst, durch Einkochen des Rohrsaftes festenZucker darzustellen, den Persern, bei denen inzwischen das Zucker-rohr selbst schon eine gewisse Verbreitung erlangt hatte, bekanntgeworden zu sein; in welcher Weise und auf welchem Wege diesgeschah, darüber liegen bisher gleichzeitige Zeugnisse nicht vor,und wir sind deshalb auf Vermutungen angewiesen, die sichauf Berichte aus späteren, und zwar oft erheblich späteren Periodengründen. Nun melden die Geographen Ibn-Haukal (902—968),sowie, nach älteren Quellen, Abulfeda (1273—1331), Jakut(1178—1229), und Edrisi (um 1150), übereinstimmend, dass zuMansura am Indusdelta, Zuckerrohr seit jeher in grösster Mengegewachsen sei (Gildemeister 166; Abulfeda, „Geographie",Bd. I, II, franz. von Reinaud, Paris 1848, Bd. III von Guyard,ebd. 1883; 111,113: Jakut, „Dictionnaire de la Perse", ed. Barbier
*) d. h. wohl irgend eine westliche oder nordwestliche, am Indusgelegene Provinz desselben (Droyson, „Geschichte Alexander des Grossen»,<!otha 1880, 264).
Ijippmann, Geschichte des Zuckers. '